Was für die einen eine letzte Geste der Anerkennung darstellt, kann für andere zur erträglichen Einkommensquelle werden. Zweiteres wird Mitarbeitern eines Hamburger Krematoriums vorgeworfen: Seit mehreren Jahren sollen diese der Staatsanwaltschaft Hamburg zufolge Goldzähne und Schmuck von Verstorbenen verkauft haben.

Zahnprothesen und Brücken seien der Staatsanwaltschaft Hamburg zufolge aus dem Gebiss herausgebrochen und Ringe mit Seitenschneidern von Fingern getrennt worden. Sogar Sarggriffe sollen gestohlen und an Bestatter zurückverkauft worden sein. Die Wohnungen und Arbeitsplätze der betroffenen Mitarbeiter wurden bereits durchsucht - 140.000 Euro wurden beschlagnahmt. Aufgefallen war die Sache der Leitung des Krematoriums, die einen immer stärker sinkenden Anteil von Edelmetallen in der Asche feststellen mussten.

Anlässlich des Vorfalls in Deutschland stellt sich die Frage, wie in Österreich mit Edelmetallen von Toten umgegangen wird. Könnte sich derartiges auch bei uns ereignen? Der Verwalter des Krematoriums Wien, Christian Vikenscher, hält dies für "sehr unwahrscheinlich". "Anders als in Deutschland gibt es bei uns nämlich keine zweite Totenbeschau", erklärt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Denn der Bestatter liefere die Toten bereits "fertig zur Einäscherung im Sarg" ab. Ein "Umlegen" wie in Deutschland, um sich noch einmal zu vergewissern, dass der Betroffene auch wirklich tot ist, gebe es in Österreich nicht. "Unsere Mitarbeiter kommen mit den Leichen daher gar nicht in direkten Kontakt", sagt Vikenscher.

Sarg einen Spalt öffnen

Lediglich kurz vor dem Ofen würden sie den Sarg einen Spalt öffnen. Dies habe aber technische Gründe: "So kann das Feuer - bereits bevor der Sarg verbrannt ist - auf den Körper zugreifen", erklärt der Krematoriums-Verwalter. Das sei deshalb wichtig, weil der Körper aufgrund der köchelnden Körperflüssigkeiten ansonsten im Ofen explodieren könnte. Im Leichnam eventuell enthaltene Titan-Implantate würden dann die Wände des Ofens beschädigen.

"In den Sarg hinein greifen meine Mitarbeiter aber nicht. Es sei denn, der Bestatter hat die Schuhe darin vergessen - was allerdings selten passiert", sagt Vikenscher. Denn diese würden Probleme mit den Filteranlagen verursachen.

Auch ein Bereichern durch die Asche der Toten schließt der Verwalter aus: "Unsere Strom-Öfen erreichen Temperaturen von bis zu 1500 Grad. Da verflüssigt sich Gold." Zwar verfestige es sich bei Abkühlung wieder, die einzelnen Teile seien allerdings so klein, dass sie mit freiem Auge in der Asche nicht sichtbar seien. "In Deutschland, wo sie Gasöfen haben, die nur 800 Grad erreichen, ist das anders", erklärt Vikenscher. Das Einzige, was in Wien übrig bleibe und regelmäßig gespendet werde, sei Titan. Denn das habe einen höheren Schmelzpunkt.