In einigen Ländern Südostasiens ist die Prostitution inzwischen zu einem Wirtschaftsfaktor geworden, der stärker zum Brutto-Inlandsprodukt (BIP) beiträgt als die Landwirtschaft. Das ist

das Ergebnis einer repräsentativen Untersuchung in Thailand, Indonesien, Malaysia und den Philippinen zu entnehmen, die jetzt von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf veröffentlicht

wurde. Danach macht der in den nationalen Wirtschaftsdaten nicht erfaßte Sex-Sektor in den vier Ländern mittlerweile bis zu 14 Prozent des BIP aus.

Umfragen der ILO in den einschlägigen Vierteln der vier Länder zeigten, daß die meisten Prostituierten wegen ihrer Tätigkeit mit Gewissensbissen zu kämpfen haben. Mehr als die Hälfte der Frauen, die

auf den Philippinen in sogenannten Massagesalons arbeiten, tut dies nach eigenen Angaben "mit schwerem Herzen". Nur zwei Prozent gaben an, sie arbeiteten gerne in der Sexindustrie.

Viele Frauen unterstützen mit den Einnahmen arme Verwandte. Allein in Thailand, wo nach offiziellen Zahlen rund 65.000 Menschen in der Sexindustrie arbeiten, schicken Prostituierte pro Jahr

umgerechnet 3,8 Mrd. Schilling an ihre Angehörigen.

Bei einer Befragung von Prostituierten in Indonesien habe sich herausgestellt, daß 29 Prozent der Frauen zur Prostitution gezwungen worden seien, berichtet die ILO. 19 Prozent nannten die

extreme Armut ihrer Eltern als Beweggrund, 29 Prozent arbeiteten im Bordell, um Kinder oder Geschwister ernähren zu können.

Keine verläßlichen Zahlen gibt es laut ILO zur sexuellen Ausbeutung von Kindern in diesen Ländern. Schätzungen für 1997 gingen jedoch von 75.000 minderjährigen Prostituierten alleine auf den

Philippinen aus.

Erfahrungen aus der Rezession Mitte der achtziger Jahre legen nahe, daß die derzeitige Wirtschaftskrise in Asien nicht zu einem Rückgang der Prostitution führen werde, schreibt die Autorin der

Studie, Lin Lean Lim. Armut habe Männer noch nie vom Bordellbesuch abgehalten. Außerdem paßten die Sex-Anbieter ihre Preise meist schnell den finanziellen Verhältnissen der Freier an. Und: "Es ist

vielmehr sehr wahrscheinlich, daß Frauen, die ihre Jobs in der Produktion oder im Dienstleistungssektor verlieren, und deren Familien auf ihre Überweisungen angewiesen sind, in der Prostitution

landen."