Der Mink ist nämlich ein guter Jäger, Schwimmer und Taucher - und er tötet, wie der Marder, auch ohne Hunger und hinterlässt zahlreiche totgebissene Kadaver. Fischer und Förster sind ebenso verzweifelt wie ratlos.

Ihren Ausgang nahm die Plage in früheren Zuchtbetrieben der Region, aus denen Tierschutz-Aktivisten im Zuge der Anti-Pelz-Bewegung ab Ende der 1980er Jahre immer wieder Tiere "befreit" haben sollen. "Für den Mink mag das gut gewesen sein, für unser Öko-System hier war es eine Katastrophe, denn der Bursche hat im Waldviertel keinen natürlichen Feind und vermehrt sich wie die sprichwörtlichen Karnickel", erklärt Richard Hackl, Direktor des Forstamtes Ottenstein.

Klagen kommen vor allem aus der gerade hier hoch entwickelten Teichwirtschaft: Neben dem primär von Anglern geschätzten Stausee selbst gibt es im 3200 Hektar umfassenden Forstamt Ottenstein laut Hackl 75 Hektar kommerziell genutzter Fischteiche. Der Besatz besteht zum Großteil aus Karpfen, von denen allein pro Jahr rund 30 Tonnen auf den Markt kommen, daneben gibt es Zander, Hecht und Forellen. Besonders begehrt ist der Bio-Fisch aus der Gegend, den sogar die großen Supermarkt-Ketten bereits im Sortiment haben.

Fische zu Tode gestresst

"Der Mink ist ein mehrfaches Problem. Einerseits beißt er die Fische tot, lässt die Kadaver liegen, was wiederum andere Räuber bis hin zum Fuchs anlockt. Weil er ganzjährig aktiv ist, stört er dadurch aber auch die Karpfen in ihrer sensiblen Winterruhe, was ebenso tödlich enden kann, selbst wenn er sie nicht direkt erwischt", erklärt NÖ Landesfischermeister Anton Öckher. Der Karpfen nimmt nämlich in seiner dreimonatigen Ruhephase keine Nahrung zu sich. "Wird er nun gestört, muss er sich bewegen, was zu einem erhöhten Kalorienverbrauch führt, der das Tier schwächt und zumindest verkümmern lässt", weiß Öckher. Bei zu viel Winterstress stirbt der Karpfen - an Erschöpfung.

Fachleute, wie Robert Nemeth vom Fischereirevier Buchenstein bei Raabs an der Thaya, kennen ein weiteres Phänomen: "Wir finden im Frühjahr immer wieder Karpfen mit mehr oder weniger schweren Verletzungen, die sie sich holen, wenn sie vor dem Mink oder anderen Räubern flüchten und dabei an die Eisdecke oben am Wasser stoßen und dort am Eis kleben bleiben."

Seitens der NÖ Landwirtschaftskammer ist man sich des Problems wohl bewusst; allein es fehlt an geeigneten Gegenstrategien. "Wir bekommen regelmäßig die Beschwerden von den Betrieben. Wenn wir dann beim Land um Hilfe ansuchen, will man dort Zahlen von uns - aber die haben wir nicht, weil es noch keine Untersuchungen gibt", erklärt Herbert Staudigl vom Tierschutz- und Teichwirtschafts-Fachverband.

Dazu komme, dass Fischerei- und Jagdrecht zwei Paar Schuhe seien "und die Jäger nicht zwingend aktiv werden, wenn die Fischzüchter mit irgendeinem Räuber ein Problem haben", ergänzt Forstdirektor Hackl. Somit komme man um eine Landes-Verordnung nicht herum.

Solche gibt es in anderen Bereichen bereits, denn ähnliche Probleme wie mit dem Mink hat die Fischwirtschaft auch mit dem bei uns an sich ausgerotteten, aber in den letzten Jahren wieder angesiedelten Fischotter, dem Biber, dem Kormoran und dem Reiher. Während der Fischotter streng geschützt ist, aber - noch - lokal auftritt, können Kormorane und Reiher unter bestimmten Bedingungen geschossen werden (NÖ Kormoran- und Reiher-Verordnung); auch gegen Biberschäden kann - spätestens dann, wenn Hochwassergefahr droht - vorgegangen werden. Allein der Mink scheint sakrosankt.

Tatsächlich scheint er den an sich bei uns ansässig gewesenen europäischen Nerz zunehmend zu ersetzen; Letzterer ist hierzulande schon so gut wie ausgestorben und streng geschützt. Der größere Mink - Länge bis 46 Zentimeter, Gewicht bis 1,5 Kilo - hingegen breitet sich in Europa verstärkt aus. Vor allem in nördlichen Ländern wie Schweden, Norwegen, aber auch in östlichen deutschen Regionen wie etwa Niedersachsen existieren bereits große und stabile Mink-Populationen, die dort ins Öko-System eingreifen.

Gestank-Attacken auf Boote

Der an sich dämmerungs- oder nachtaktive Mink jagt nämlich nicht nur im Wasser, sondern auch zu Lande und bevorzugt neben Ratten, Insekten oder Amphibien auch Vögel oder deren Eier. Die Rohrdommel etwa, die gerne gewässernah brütet, zählt zur beliebten Mink-Beute. Umgekehrt scheint die einzig ökonomische Art, den Mink zu jagen, die Falle zu sein - doch selbst das ist betreuungsintensiv, da nur noch Lebend-Fallen erlaubt sind.

Der Mink schädigt übrigens auch Bootsbesitzer oder -vermieter: Er markiert gerne - und das so massiv, dass aufgrund des beißenden Gestanks die gesamte Innenverkleidung der Boote entfernt werden muss.