Rom. Der Vatikan hat Nuntius Giuseppe Leanza, Vatikanbotschafter in Irland, zu Konsultationen einberufen. Das gab der vatikanische Pressesaal am Montag bekannt. Damit reagierte das Staatssekretariat auf die Veröffentlichung des Berichts einer Regierungskommission über die Missbrauchsfälle in Irland und vor allem auf die Reaktionen staatlicherseits darauf, wie es in einer kurzen Mitteilung heißt. Gemeint sind unter anderem die Anschuldigungen, die der irische Premierminister Enda Kenny am Mittwoch öffentlich im Parlament gemacht hatte.

Kenny hatte vergangene Woche mit scharfen Worten den Vatikan für seinen Umgang mit Fällen von Kindesmissbrauch kritisiert. "Erstmals in Irland wird in einem Report über Kindesmissbrauch dargestellt, dass der Heilige Stuhl versucht hat, in einer souveränen Republik Untersuchungen zu behindern", sagte Kenny mit Blick auf den in der vergangenen Woche vorgestellten Bericht der Regierungskommission über die Missbrauchsfälle.

Der sogenannte Cloyne-Report war die vierte größere Veröffentlichung innerhalb von sechs Jahren über das Vertuschen von Missbrauch in der katholischen Kirche in Irland. In der Diözese Cloyne war Bischof John Magee tätig, dessen Rücktritt Papst Benedikt XVI. im vergangenen Jahr akzeptiert hatte. Ihm war nachgewiesen worden, die Untersuchungen fehlgeleitet zu haben. Außerdem wurden ihm "Fehler beim Schutz von Kindern" vorgeworfen.