Um sich aufzuwärmen, sucht man derzeit einen sonnigen Platz im Freien vergeblich. - © www.BilderBox.com
Um sich aufzuwärmen, sucht man derzeit einen sonnigen Platz im Freien vergeblich. - © www.BilderBox.com

Wien. Höchsttemperaturen von 20 Grad am Tag, 13 Grad in der Früh - angesichts dieser Temperaturen könnte es ohne weiteres ende September oder Anfang Oktober sein. Aber es ist erst Anfang August und in so manchem Eigenheim springt schon der Thermostat an und es wird geheizt.

Das bemerkt man auch bei Wienenergie. "Es gibt derzeit durchaus einen Mehrverbrauch", erklärt Wienenergie-Sprecher Christian Ammer. Viele Wiener schalten also tatsächlich die Heizungen ein.

2011 generell wärmer


Vergleicht man die ersten neun sehr heißen Augusttage des Jahres 2003 mit jenen des heurigen Jahres, so beträgt der Mehrverbrauch an Gas eines einzelnen Haushaltes rund 70 Prozent. "Da muss man aber schon die Kirche im Dorf lassen, beziehungsweise die Verhältnisse im Blick haben", betont Ammer. "Schließlich bezahlen die Kunden in einem durchschnittlichen Jänner zwischen 110 und 120 Euro und in einem durchschnittlichen Sommermonat nur 23 bis 24 Euro", erklärt Ammer. Ein etwas kälterer Jänner wirke sich also wesentlich stärker auf den Gasverbrauch eines Haushaltes aus als, ein kalter August. "Der kalte August bedeutet für den Verbraucher vielleicht Mehrkosten von 10 Euro, wenn überhaupt", so der Sprecher.

Denn das Jahr 2011 sei bisher wärmer als im Durchschnitt. Also wird es vielleicht gar keine Mehrkosten geben - "es sei denn, es kommt noch eine Kältewelle mit Schneefällen unter 800 Meter", meint Ammer. "Oder wieder eine Gebührenerhöhung", meint eine Leserin der "Wiener Zeitung", die sich über die Kälte in diesem Sommer beklagt, sich aber angesichts der Kosten nicht traut, ihre Heizung zu aktivieren. "Wobei Gebühren und Verbrauchsmengen zwei verschiedene Paar Schuhe sind", gibt Ammer zu bedenken. Auch könne man die derzeitige Mehrproduktion der Fernwärme nicht auf den kühlen Sommer zurückführen, da auch immer mehr Energie in die Fernkälteanlagen fließe, so Ammer.

Heizkostenzuschuss gibt es auf alle Fälle nur für die Wintermonate. "Bislang wurde noch keiner für den Sommer beschlossen", erklärte man im Büro von Sozialstadträtin Sonja Wehsely. Der Zuschuss betrug im Vorjahr rund 100 Euro. "55.000 Haushalte in Wien haben diesen in Anspruch genommen - der Großteil davon waren Mindestsicherungsbezieher", sagte Sabi- ne Springer, Leiterin des Fachbereichs Sozialarbeit und Sozialhilfe der MA 40 (Soziales). Und der Zuschuss wird im Herbst beschlossen und im Frühjahr rückwirkend ausbezahlt.

Weniger Gasverbrauch


Laut einer Aussendung der E-Control von Mittwoch ist der Gasverbrauch in ganz Österreich im ersten Halbjahr sogar gesunken: Wegen der milderen Witterung sei bisher der Heizbedarf geringer gewesen, und auch in den Kraftwerken wurde weniger Gas eingesetzt. "Die Gasabgabe an Endkunden ging in den ersten sechs Monaten 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent zurück", so die Energieregulierungsbehörde. Billiger dürfte die Gasrechnung für die Haushalte deswegen aber nicht werden.

Die meisten Gasversorger haben ab April Preiserhöhungen um rund 10 Prozent durchgeführt. Bei einer ähnlichen Witterung wie im Vorjahr könnte ein Haushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 15.000 Kilowattstunden heuer um 40 bis 50 Euro mehr für Gas zahlen, erwartet die E-Control. In Wien werden das laut Wienenergie nur rund 35 Euro sein, wie Ammer erklärte.