Wien. In Schwechat ist am Mittwoch die Verhandlung gemäß Paragraf 16 Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000 zum geplanten Bau einer dritten Piste auf dem Flughafen zu Ende gegangen. Ein Bescheid der NÖ-Landesregierung - Genehmigung oder Abweisung - wird Ende 2011/Anfang 2012 erwartet.

Und obwohl für die Umweltunverträglichkeit lediglich die Beurteilung der medizinischen Sachverständigen ausschlaggebend sein wird, hofft die Antifluglärmgemeinschaft (AFLG) - bestehend aus 35 Bürgerinitiativen aus Wien, Niederösterreich und Burgenland -, dass das UVP-Verfahren neu aufgerollt wird: Das sei möglich, "wenn jemand schlüssig aufzeigen kann, dass Fehler gemacht oder etwas Relevantes übersehen wurde", so eine Behördenvertreterin auf Anfrage.

Immerhin habe der von der AFLG beauftragte Umweltmediziner Hans-Peter Hutter im Behördengutachten Mängel aufgezeigt: Es sei fehler- und lückenhaft und nutze Interpretationsspielraum gegen ein höheres Schutzziel, so die AFLG. Zum Beispiel seien von den 293 genannten Publikationen des Behördengutachtens nur acht nach dem Jahr 2000 erschienen. Von Aktualität könne keine Rede sein, so die Kritik.

Weiters werde ein "ruhiges Schlafzimmer" durch 35 Dezibel charakterisiert - für den Gesundheitsmediziner eine Lautstärke, die bei Dauerbelastung zu Schlafstörungen führt. Außerdem sei es "gegenwärtig unmöglich, die gesundheitliche Gefährdung durch Emissionen (...) abzuschätzen, weil detaillierte Emissionsdaten für Partikel fehlen", wie der Epidemiologe Eberhard Greiser aus Bremen in seiner Beurteilung erklärt. Für die AFLG alles durchaus relevante Themen.