Wien. "Ich trinke nicht so viel, weil dann muss ich so oft aufs Klo gehen", zitierte Gesundheitsexpertin Andrea Zauner-Dungl am Donnerstag im Willi-Dungl-Zentrum in der Wiener City einen ihrer Patienten. Der Anlass: Sophie Karmasin von "Karmasin.Motivforschung" präsentierte eine Studie zum Trinkverhalten der Österreicher.

1000 Einzelinterviews wurden diesen Sommer mit Personen ab 14 Jahren geführt. Die wesentliche Erkenntnis dieser Befragung: 68 Prozent der Österreicher sind davon überzeugt, über den Tag verteilt genügend zu trinken - ein Trugschluss. Tatsächlich nimmt laut der Studie lediglich rund die Hälfte der Bevölkerung ausreichend Flüssigkeit zu sich. Vor allem viele Frauen und Befragte über 50 Jahre trinken nicht mehr als einen Liter pro Tag.

Gesundheit wird von Wassermangel bestraft

Zauner-Dungl stellte eine "Entwöhnung vom Wasser" beim österreichischen Bürger fest und machte auf die gesundheitlichen Risiken von Wassermangel aufmerksam: "Vielen ist nicht bewusst, dass zu wenig Wasserzufuhr zu Kopfschmerzen, Müdigkeit und Gereiztheit führt. Unser Gehirn ist zum Informationsaustausch auf Flüssigkeit angewiesen, bei Mangel reagiert es sehr sensibel."

Die weitverbreitete Annahme, zwei bis drei Liter Wasser pro Tag zu konsumieren, sei vernünftig, lehnte die Gesundheitsexpertin allerdings ab. Sie geht vom Körpergewicht aus: Pro Kilogramm Körpergewicht braucht der Mensch im Laufe des Tages 25 Milliliter Wasser. Bei einer 80 Kilogramm schweren Person wären es zwei Liter pro Tag. Doch dies sei nur ein Richtwert, denn der Wasserbedarf steige beispielsweise bei Betrieb von Klimaanlagen.

Wieso geht die Hälfte der Österreicher so fahrlässig mit ihrer Gesundheit um? Karmasin erklärte es anhand der Studie: "Der Hauptgrund ist, dass man nicht ans Trinken denkt, man vergisst darauf. Außerdem empfinden viele kein Durstgefühl - leider besonders bei älteren Menschen ausgeprägt." 63 Prozent der Befragten vergessen darauf, bei 49 Prozent liegt es am mangelnden Durst.

Die Trinkvorlieben der Österreicher hängen auch vom Geschlecht ab: Während Männer ihr Getränk am liebsten in Kühlschranktemperatur genießen, bevorzugen es Frauen etwas wärmer. Zauner-Dungl erläutert dies anhand der Chinesischen Medizin: "Bei Frauen dominiert das kalte Yin, daher haben sie das Bedürfnis nach Wärme. Männer sind durch das Yang geprägt, daher brauchen sie Abkühlung."