Chaotische Zustände herrschen auf Lampedusa. - © Apaweb / EPA
Chaotische Zustände herrschen auf Lampedusa. - © Apaweb / EPA

Nach dem Brand im Auffanglager Lampedusas und einer Migrantenrevolte, die die Mittelmeerinsel ins Chaos gestürzt hat, hat am Donnerstag die Abschiebung von rund 1300 tunesischen Migranten begonnen. Mit einer Luftbrücke werden die Tunesier nach Sizilien geflogen, von hier aus sollen sie dann abgeschoben werden. Etwa 300 Tunesier verließen unter Polizeiaufsicht an Bord von Maschinen der italienischen Luftwaffe die Insel zwischen Sizilien und Tunesien. Das Innenministerium hatte am Mittwoch versichert, dass bis Freitagabend alle Migranten die Insel verlassen haben werden.

"300 Migranten haben bereits Lampedusa verlassen, weitere Flüge sind im Laufe des Tages vorgesehen, um die illegalen Migranten wegzubringen, die unsere Insel in Brand gesetzt haben", sagte der Bürgermeister Lampedusas, Bernardino De Rubeis.

Am Mittwochabend traf der Bischof von Tunis, Maroun Elias Lahham, auf der Insel ein. Der Geistliche wird sich am Donnerstag an den Feierlichkeiten für die Schutzpatronin Lampedusas beteiligen. Der Bischof wird sehr wahrscheinlich die Migranten treffen, die sich noch auf der Insel befinden.

Migranten gegen Abschiebung

Hunderte tunesische Migranten protestierten am Mittwoch unweit des Hafens gegen ihre Abschiebung und lieferten sich Zusammenstöße mit der Polizei. Eine Gruppe von Migranten stahl aus einem Restaurant einige Gasflaschen und drohte, sich in die Luft zu sprengen. Daraufhin griff die Polizei ein, und es kam zu Auseinandersetzungen, bei denen rund zehn Personen verletzt wurden. Weitere Zusammenstöße erfolgten unweit des abgebrannten Auffanglagers, in dem sich immer noch rund 100 Migranten befinden. Angegriffen wurde auch ein französisch-kanadischer Menschenrechtsaktivist.

Einige aufgebrachte Einwohner der Insel bewarfen die tunesischen Migranten mit Steinen. "Wir sind wie im Krieg, der Staat hat uns ganz alleingelassen und die Bürger wollen sich selbst verteidigen", warnte Bürgermeister De Rubeis, der sich in seinem Büro verschanzte, während vor dem Rathaus Dutzende Einwohner der Insel gegen die Präsenz von circa 1.000 Tunesiern demonstrierten. Drei Einwohner Lampedusas versuchten in das Büro des Bürgermeisters einzudringen, um gegen die ihrer Ansicht nach zu schwache Position der Gemeinde angesichts des Flüchtlingsnotstands zu demonstrieren. Aus Sorge um die Sicherheit der Kinder blieben die Schulen auf Lampedusa gesperrt.

Eine Insel in Flammen

Die Gewalt brach nach dem Brand im Auffanglager Lampedusas aus, in dem bis am Dienstag 1.300 Personen untergebracht waren. Die Flammen im einzigen Auffanglager der Insel entwickelten sich in der Küche und im Lager, in dem die Lebensmittel aufbewahrt waren. Dunkle Rauchwolken stiegen vom Auffanglager auf. Rettungsmannschaften mussten mehrere Stunden lang arbeiten, um die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Rund 800 Tunesier nutzten die chaotischen Zustände aus, um aus dem Auffanglager zu flüchten. Etwa 400 von ihnen wurden unweit des Hafens festgenommen. Ein Großteil des Auffanglagers wurde von den Flammen zerstört.