Wien. (rs) Mit den großen Beben in Haiti und Chile sowie den massiven Überschwemmungen in Pakistan schien 2010 als Katastrophenjahr kaum noch überbietbar. Dass es da nur noch besser werden könnte, blieb allerdings ein frommer Wunsch. Auch im aktuellen Jahr, von dem erst neun Monate vergangen sind, wurden Millionen von Menschen in Not und Elende gestürzt: Im März erschütterte die von einem Tsunami ausgelöste Atomkatastrophe Japan, zwei Monate später wurde das ganze Ausmaß der Hungertragödie am Horn von Afrika sichtbar. Und in Pakistan bahnt sich derzeit aufgrund der sintflutartigen Monsunregenfälle eine neue Flutkatastrophe an.

Bei einem Großteil dieser Ereignisse lässt sich laut dem am Donnerstag in Wien vorgestellten Weltkatastrophenbericht des Roten Kreuzes ein beunruhigender Trend feststellen. Ausgelöst beziehungsweise deutlich verschärft wurden viele Katastrophen durch ein ganzes Geflecht von Ursachen. So sind für das Ausmaß der Überschwemmungen in Pakistan nicht nur die heftigen Niederschläge verantwortlich, sondern auch die massive Abholzung, in deren Folge die erodierenden Böden immer weniger Wasser aufnehmen können. Bedingt durch die Bevölkerungsexplosion im Land siedelten sich zudem immer Menschen in Gebieten an, die eigentlich Überschwemmungszonen waren, und durch politische Misswirtschaft wurde der Bau von Hochwasserschutzanlagen vernachlässigt.

Ein ähnliches Ursachenbündel ist auch bei der Hungersnot in Afrika zu beobachten. Neben der Dürre tragen hier militärische Konflikte, die Auflösung traditioneller Lebensweisen und die Explosion der Nahrungsmittelpreise dazu bei, dass derzeit 12,5 Millionen Menschen Hunger leiden.

Angesichts der Schwierigkeit, solche multikausalen Katastrophen in den Griff zu bekommen, plädieren Experten wie Max Santner vehement dafür, die Prävention verstärkt in den Fokus zu rücken. "Investitionen tragen hier sehr starke Zinsen", sagt Santner, der beim Roten Kreuz die Katastrophenhilfe leitet. "Prävention kostet 15 Mal weniger als die unmittelbare Katastrophehilfe." Allerdings würden sich viele Staaten erst langsam dieser Sichtweise anschließen.

Besonders hart ging Santner bei der Hilfe für die ärmsten Länder mit Österreich ins Gericht. Die Summe von 1,3 Millionen Euro, die die Republik für die Hungernden in Afrika bereitstellt, sei im internationalen Vergleich "nur mehr peinlich" und ein "Micky-Maus-Betrag". Finnland habe 14 Millionen, Irland 6 Millionen und Dänemark 41 Millionen Euro gespendet. Hinter Österreich lagen in der EU demnach nur Lettland und Tschechien.