Wenn Jonna Musik hören möchte, dirigiert sie (l.). Ist sie müde, bettet sie ihre Wange auf die Hand (M.) oder führt einen fiktiven Becher zum Mund, wenn sie durstig ist. Fotos:Babysignal
Wenn Jonna Musik hören möchte, dirigiert sie (l.). Ist sie müde, bettet sie ihre Wange auf die Hand (M.) oder führt einen fiktiven Becher zum Mund, wenn sie durstig ist. Fotos:Babysignal

Wien. Moritz formt Daumen und Zeigefinger einer Hand zu einer Pinzette. Immer wieder bewegt der Einjährige seine zwei Finger auf und zu und blickt dabei zwischen dem Baum, den er durch das Fenster des Kinderzimmers sieht, und seiner Mutter hin und her. "Aha, Du siehst einen Vogel", sagt diese ohne zu zögern - sie hat ihren Sohn sofort verstanden, weil beide über die Babyzeichensprache kommunizieren.

Was vor 30 Jahren in Amerika entstand, hat nun über Deutschland Österreich erreicht und gewinnt hier zunehmend an Bedeutung: Babys ab dem sechsten Lebensmonat lernen mit ihren Eltern eine Zeichensprache, über die sie lange vor Erlernen der verbalen Sprache kommunizieren können. Gleichzeitig werden allerdings die ersten kritischen Stimmen laut. Die Babys seien überfordert, sagen die einen. Wissenschaftliche Untersuchungen fehlen, sagen die anderen.

Doch alles der Reihe nach. Vor drei Jahren hielt Carina Minar-Holzapfel, Regionalleiterin für Wien von der Organisation "Zwergensprache", ihren ersten Kurs ab - mittlerweile ist der Mitarbeiterstock auf österreichweit 30 Kursleiterinnen angewachsen. Allein in Wien gibt es sieben Leiterinnen, die zeitgleich Kurse abhalten. Im November wird die nächste Organisation, "Babysignal", ihren ersten Babyzeichensprache-Kurs in Klosterneuburg bei Wien in Niederösterreich starten.

Die Organisationen "Zwergensprache" und "Babysignal" basieren auf zwei unterschiedlichen Schulen, die in Deutschland entstanden sind und sich auf Lehren mehrerer US-Psychologen der 80er Jahre beziehen. Verbindendes Element ist die Sprache: Beide Schulen bedienen sich der Zeichen aus der Gebärdensprache. Während sich die "Zwergensprache" allerdings an den Büchern der Deutschen Vivian König orientiert, hat Wiebke Gericke "Babysignal" gegründet. Der Unterschied besteht darin, dass König Diplom-Kauffrau, Gericke hingegen Pädagogin ist.

Spaß im Vordergrund


"Bei ,Babysignal wird daher nicht nur ein Zeichen nach dem anderen einstudiert, sondern auch der pädagogische Aspekt betrachtet. Und darauf geschaut, wie Kinder die Informationen verarbeiten", erklärt Simone Kranister-Birkner, die den ersten Kurs im November in den Seminarräumen ihrer Coaching-Firma "Lifemaps" abhalten wird. Kranister-Birkner und Minar-Holzapfel ist allerdings beiden wichtig, dass der Spaß und nicht Lernzwang im Vordergrund steht. Die meisten Kinder seien bereits "nach den ersten Zeichen irrsinnig motiviert, weitere zu lernen, weil sie endlich verstanden werden", so Minar-Holzapfel.