Wien. Im Wiener U-Bahn-Bau zeichnen sich massive Veränderungen ab: Nach der U1-Südverlängerung, die aller Voraussicht nach nicht wie geplant 2015 nach Rothneusiedl führen wird, steht nun auch die Südverlängerung der U2 zur Gudrunstraße auf dem Prüfstand. Sowohl die Wiener Linien als auch die grüne Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou bestätigen dies gegenüber der "Wiener Zeitung". Eine Studie über eine andere Trassenführung oder Straßenbahn-Alternativen soll nun Klarheit bringen.

2014 sollte Baustart sein

Die U2-Süd sorgte zuletzt immer wieder für Diskussionen, da sich das Rathaus darauf festgelegt hatte, die U-Bahn nicht direkt zum neuen Hauptbahnhof zu führen, sondern diesen großräumig zu umfahren. Als Endstation der 4,6Kilometer langen Trasse wurde die Gudrunstraße im Herzen des künftigen Wohnviertels am Bahnhofs-Areal festgelegt (siehe Grafik). Die Strecke soll dorthin über die Stationen Schwarzenbergplatz, Rennweg, St. Marx-Eurogate und Arsenal führen. 2007 wurde mit dem Bund im Rahmen der vierten Ausbaustufe vereinbart, dass das Projekt von 2014 bis 2019 realisiert wird und die Kosten von 670Millionen Euro geteilt werden.

Nicht nur aus finanziellen Überlegungen könnte diese Variante bald fallen. Der neue betriebliche Geschäftsführer der Wiener Linien, Eduard Winter, spricht Klartext: "Ich brauche die U2 dort am Hauptbahnhof-Areal wirklich nicht. Der Einzugsbereich einer U-Bahn umfasst 500 Meter - damit sind die neuen Wohnviertel mit der U1-Station Keplerplatz sehr, sehr gut bedient." Außerdem werde unter anderem die Linie D mitten in den Stadtteil verlängert - was "nicht zu unterschätzen" sei, so der frühere Hauptbahnhof-Projektleiter. Doch auch die Anbindung des Arsenals hinterfragt Winter: "Es ist nicht nötig, dort die U-Bahn hinzuführen." Weder gebe es genug Bewohner noch eine ausreichende Zahl an Arbeitsplätzen.

Laut Winter sei derzeit im Rathaus eine Studie in Erstellung, die alle Alternativen zur bisherigen Trasse ausloten soll. Könnte die U2-Süd auch einfach eingespart werden? "Einsparen ist gut. Man muss aber dann das Angebot so machen, dass es möglichst viele Leute nutzen können." Prinzipiell sei eine U-Bahn natürlich eine "attraktive Geschichte" und eine Standortfrage.

Laut Wiener Linien soll die Studie auch die heikle Frage klären, wie und ob überhaupt das Botschaftsviertel in der Landstraße unterquert werden kann. Wie die "Wiener Zeitung" im Mai 2010 berichtete, sollen sich ja einige der dort ansässigen Botschaften und Konsulate gegen eine Untertunnelung querlegen. Weshalb auch der Rechnungshof (RH) davor warnte, dass die geplante Trasse "technisch undurchführbar" sei oder die Kosten ansteigen könnten. Im Übrigen hielt schon der RH diese U2-Strecke wegen mangelnder Frequenz für nicht zielführend.

Schneller 18er zum ORF

Wann die Stadtregierung in dieser Causa eine Entscheidung fällt, ist offen. "Derzeit werden Trassenvarianten geprüft. Von den Ergebnissen hängen die weiteren Schritte ab", erklärt Vassilakou. Ähnlich Winter: "Die Überlegungen finden statt - und sie finden sehr kritisch statt." Aus dem Rathaus ist zu hören, dass derzeit eine Variante in Form einer beschleunigten Super-Bim favorisiert wird. "Die Linie 18 kann dank eigenem Gleiskörper so ertüchtigt werden, dass St. Marx mit einem eventuellen ORF-Zentrum optimal angebunden ist", heißt es. Diese Variante würde nur ein paar Millionen Euro kosten - "im Gegensatz zu der Milliarde, die eine U-Bahn samt Kreditkosten verschlingen würde".

Ausgeschlossen wird übrigens, dass die U2 doch noch direkt an den Hauptbahnhof andocken könnte - so hält auch Winter die geplante Anbindung (U1 am Südtiroler Platz und S-Bahnen) für "hervorragend".

Während die U2-Zukunft offen ist, bahnt sich bei der U1-Süd eine Entscheidung an. Wie berichtet, könnte die Endstelle 2015 nicht in Rothneusiedl, sondern in Oberlaa sein. "Allerdings mit der späteren Option, einen Ast nach Rothneusiedl zu legen, wenn dort Stadtentwicklung passiert", heißt es nun aus dem Rathaus. Winter verhehlt in der Causa nicht, dass das ursprüngliche Ziel Rothneusiedl "wahrscheinlich beibehalten" wird. Er drängt: "Hier muss bald eine Entscheidung fallen."

Voll im Zeitplan ist weiterhin das dritte Projekt der U-Bahn-Ausbaustufe: Die U2-Nord soll Ende 2013 die Seestadt Aspern erreichen.