Auckland. Eine Woche nachdem das Containerschiff "Rena" vor der Küste Neuseelands auf ein Riff gelaufen ist, scheinen die Behörden den Kampf gegen die drohende Umweltkatastrophe verloren zu haben. Am Rumpf des unter liberianischer Flagge fahrenden Frachters seien "Spannungsrisse" entdeckt worden, sagte Premierminister John Key am Mittwoch. Es sei nicht mehr auszuschließen, dass der Frachter dem Druck der Wellen nicht mehr standhalte und auseinanderbreche. Einer der Risse an der Seitenwand hat bereits eine Länge von mehr als zehn Metern.

Durch die Leckstellen sickerten bereits bis zu 300 Tonnen Schweröl in die ökologisch sensible und auch bei Touristen beliebte Bay of Plenty. Insgesamt hatte der Frachter 1700 Tonnen Öl als Treibstoff an Bord. Nur ein Bruchteil davon konnte allerdings abgepumpt werden, bevor die Aktion wegen schlechten Wetters und hohen Seegangs abgeblasen werden musste. Sorgen macht den Einsatzkräften auch die zunehmende Schlagseite des Schiffes: Mindestens 70 der rund 1370 geladenen Container gingen bereits über Bord.

Der philippinische Kapitän und der erste Offizier des Frachters wurden inzwischen festgenommen und vor ein Gericht der Hafenstadt Tauranga gebracht. Ihnen wird vorgeworfen, mit der Führung ihres Schiffs für "unnötige Gefahren und Risiken" gesorgt zu haben. Beiden Männern droht eine hohe Geldstrafe oder bis zu zwölf Monate Haft.