Ötzi ist noch bis 15.Jänner 2012 bei einer Sonderausstellung im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen zu besichtigen. - © EURAC Bozen
Ötzi ist noch bis 15.Jänner 2012 bei einer Sonderausstellung im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen zu besichtigen. - © EURAC Bozen

Der Mann aus dem Eis, der vor 5.300 Jahren in den Ötztaler Alpen ums Leben kam, lässt die Forscher auch heute noch grübeln. Beim zweiten Bozner Mumienkongress in Südtirol versammelten sich über 100 Wissenschaftler um das "Ötzi-Puzzle" zu erweitern. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass er vor seinem Tod noch eine ausgiebige Mahlzeit zu sich nahm und dass er nicht wie angenommen im Herbst starb, sondern im Frühling.

Auf dem Kongress, der von 20. bis 22. Oktober stattfand, wurden die letzten Lebensstunden des Ötzi thematisiert. Eine Magenprobe wies auf eine ausgiebige Mahlzeit hin. Steinbockfleisch, Getreidekörner, Blätter, Äpfel und Fliegenflügel soll der Mann aus dem Eis noch 30 bis 120 Minuten vor seinem Tod zu sich genommen haben. Somit kann ausgeschlossen werden, dass er auf der Flucht gewesen war. Pollen der Hopfenbuche in seinem Magen weisen darauf hin, dass er nicht im Herbst, sondern im Frühjahr umgekommen ist.

Albert Zink, Leiter des Bozner EURAC-Instituts schließt die Theorie über eine mögliche Grabstätte auf 3.200 Meter Seehöhe aus: "Die Haltung der Mumie mit dem Arm schräg nach oben und das Fehlen von Steinansammlungen oder grabähnlichem Arrangements spricht gegen die Begräbnistheorie". Aufgrund archäologischer und botanischer Erkenntnisse kann auch die Annahme, Ötzi sei ein Hirte gewesen ausgeschlossen werden. In der Kupferzeit hat es noch keine saisonale Wanderviehwirtschaft gegeben. Diese begann erst in der Bronzezeit.

Ötzi erlitt Schädel-Hirn-Trauma


Kurz vor seinem Tod soll sich Ötzi ein stark blutendes Cut mit einer Fraktur im Bereich der rechten Augenhöhle und eine Einblutung im Augapfel zugezogen haben. Er erlitt, Untersuchungen zufolge, ein Schädel-Hirn-Trauma, welches neben seiner Schussverletzung zum Tod führte. Die tödliche Pfeilspitze steckt noch heute in der linken Schulter des Mannes aus dem Eis. Sie wurde mit tausenden anderen Pfeilspitzen verglichen um die Herkunft der Tatwaffe einzugrenzen. Demnach wurde die Spitze südlich der Alpen erzeugt, was aber nicht heißen muss, dass der Täter auch von dort stammt.

Der mumifizierte Ötzi kann noch bis 15. Jänner 2012 bei einer Sonderausstellung im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen besichtigt werden. Die Mumie mit der Pfeilspitze in der Schulter ist in einer klimatisierten Zelle ausgestellt. Die 1991 neben ihm gefundenen Gegenstände wie die ledernen Beinkleider, der Fellmantel, der Umhang aus Süßgras, eine Axt und ein Beil sind in Schaukästen ausgestellt.