Wien. Nicht nur auf den Friedhöfen schimmern zu Allerheiligen und Allerseelen die roten Kerzen. In Gedenken an die Toten im Straßenverkehr sind auch viele Erinnerungskreuze an den Straßenrändern liebevoll geschmückt - und von den Angehörigen werden Lichter aufgestellt. Für die einen dienen diese Kreuze schlicht als Memento an einen auf der Straße Verstorbenen, für manch andere soll das Kreuz aber auch helfen, die Unglücksstelle zu bannen. "Wenn es hilft, dass dort kein weiterer mehr sterben muss, dann zahlt sich das Kreuz schon aus", erzählt Herta P., die vor zwei Jahren ihren Vater auf einer Landstraße im Mühlviertel verloren hat. Seither prägt ein kunstvoll verziertes schmiedeeisernes Christussymbol die Unfallstelle.

Für Straßenerhalter ist die Thematik freilich alles andere als einfach - schließlich müssen sie beim Aufstellen solcher Kreuze den Spagat zwischen respektvoller Toleranz und dem immer höher werdenden Sicherheitsbedürfnis der Verkehrsteilnehmer schaffen. In der Praxis heißt das, dass meist nur noch Genehmigungen für ein Jahr erteilt werden: "Für die Trauerarbeit lassen wir das Aufstellen von Kreuzen zu - allerdings maximal für ein Jahr. Damit die Angehörigen den Unfall verarbeiten können", berichtet Gerhard Fichtinger von der Niederösterreichischen Straßenbauabteilung. Allerdings sei man in den vergangenen Jahren durchaus strenger geworden und gebe den Wünschen der Hinterbliebenen nur noch dann nach, wenn diese wirklich darauf bestünden. "Wir wollen nicht, dass an der Straße ein Friedhof mit lauter Kreuzen entsteht. Ein solcher Wildwuchs würde auch nicht gut aussehen und überdies ein Sicherheitsrisiko darstellen", erörtert Fichtinger.

Kreuze auch an Autobahnen


Vor allem Motorrad- und Radfahrer seien einem erhöhten Risiko ausgesetzt, "aber ein großes Kreuz könnte auch für Pkw-Lenker zur Gefahr werden". Daher werde jede Stelle von den zuständigen Straßenmeistern genau unter die Lupe genommen - notfalls wird ein Kreuz entweder nicht zugelassen oder um einige Meter entfernt, meist nach hinten, verlegt. "Immerhin wissen wir ja, dass es an dieser Stelle schon einmal einen tödlichen Unfall gegeben hat", so Fichtinger.

Eine genaue Zahl, wie viele Kreuze an Niederösterreichs Straßen stehen, gibt es nicht - laut Fichtinger würden es nicht mehr als 1000 sein. Ein großer Teil davon betrifft freilich Altfälle, die vor Jahren ohne bestimmte Regelungen zugelassen wurden und daher immer noch stehen dürfen. "Wenn wir sehen, dass diese Kreuze schon länger nicht mehr gepflegt wurden, nehmen wir diese wieder weg."

Das Aufstellen ist normalerweise kostenfrei - so handhabt es auch die Asfinag, die in geringer Zahl auch Kreuze für Opfer auf den heimischen Autobahnen errichtet. "Angehörige können uns ein Kreuz vorbeibringen, das dann von der Meisterei aufgestellt wird", sagt Sprecherin Alexandra Vucsina-Valla. Auch bei der Asfinag gilt: Nach einem Jahr wird das Kreuz wieder demontiert; nicht möglich ist freilich, dass die Trauernden am Pannenstreifen stehen bleiben und Kerzen entzünden. Und mehr noch als auf Landesstraßen gelten für Autobahnen erhöhte Sicherheitsvorschriften: "Das Kreuz darf eine gewisse Größe nicht überschreiten und keinesfalls einen Ablenkungseffekt haben", so Vucsina-Valla. Auch Klaus Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) mahnt ein sicheres Straßenumfeld ein: "Wenn jemand einen Fehler macht und von der Fahrbahn abkommt, dann darf so ein Kreuz für keinen Verkehrsteilnehmer zur tödlichen Falle werden." Allerdings ist Robatsch kein einziger Fall eines solch fatalen Unfalls just durch ein Straßenkreuz erinnerlich. Nicht zu unterschätzen sei hingegen ein gewisser Lerneffekt für Autofahrer: So stellt das KfV alljährlich im November weiße Kreuze an todbringenden Unfallstellen auf. "Aus Befragungen wissen wir, dass die Lenker nachdenklich werden und sich wundern, dass man an solchen Stellen überhaupt sterben kann."