London. Nach einer Entscheidung des Londoner High Court muss Julian Assange, der prominente WikiLeaks-Gründer, nach Schweden ausgeliefert werden, wo ihn die Polizei wegen sexueller Anschuldigungen vernehmen will. Assange erwägt aber, beim höchsten britischen Gericht, dem Supreme Court, Berufung gegen dieses Urteil einzulegen. Würde ihm ein solches Berufungsverfahren gewährt, könnte sich der Streit um seine Auslieferung allerdings weiter hinziehen.

Um die Argumente gegen seine Auslieferung in letzter Instanz dem Supreme Court unterbreiten zu dürfen, muss der Australier nun binnen 14 Tagen einen Antrag stellen. Wird ihm die Berufung abgeschlagen, kann er noch vor Ende November nach Stockholm überstellt werden. Wird sie ihm gestattet, weil sein Fall "von besonderer öffentlicher Bedeutung" ist, ist mit einer endgültigen Entscheidung nicht vor dem kommenden Jahr zu rechnen. Rechtsexperten in England halten es aber auch dann für wenig wahrscheinlich, dass das Oberste Gericht die Entscheidung des High Courts revidieren wird.

Niemand, betonte Assange nach seiner Niederlage am Mittwoch, habe ihn bisher eines Vergehens unmittelbar angeklagt. In der Tat verlangt die von Schweden erwirkte "Red Notice" lediglich seine Überstellung an die schwedische Justiz zum Zweck eines Verhörs - an das sich eine Anklage natürlich anschließen kann.

Der High Court fand in seinem Beschluss aber, dass einer Auslieferung Assanges nach Schweden nichts im Weg steht. Der Europäische Haftbefehl, der im vorigen Jahr zu Assanges Verhaftung geführt habe, sei durchaus "gültig" und "angemessen" und widerspreche in keiner Weise britischem Recht. Die Handlungsweise der schwedischen Anklage unterliege außerdem der unabhängigen Kontrolle durch schwedische Richter, "die wir, als Richter eines anderen EU-Mitgliedslandes, respektieren müssen".

Mit diesem Urteil sprach das britische Gericht der schwedischen Justiz in allen Punkten sein Vertrauen aus. Zum Inhalt der Beschuldigungen selbst, wie sie im Haftbefehl erscheinen, wurde keine Stellung genommen. Assange wird von zwei Schwedinnen, bei denen er im Sommer 2010 zu verschiedenen Gelegenheiten übernachtete, sexuelle Belästigung und Nötigung und in einem Fall auch "Vergewaltigung minderen Grades" vorgeworfen.

Er selbst hat die Beschuldigungen als Äußerungen zweier "aus dem Häuschen geratener" Frauen abgetan. Man könne ihn vielleicht zerstreut und unachtsam und seinetwegen sogar ein "chauvinistisches Schwein" nennen, aber mit Sicherheit "nicht einen Vergewaltiger", hatte er noch jüngst erklärt. In Wirklichkeit sei das Ganze "eine Schmierkampagne", mit der man ihm wegen seiner WikiLeaks-Enthüllungen einschüchtern wolle.