Köln. Nach astronomischen Maßstäben war es ein Streifschuss: Im Abstand von nur gut 324.000 Kilometern passierte in der Nacht auf Mittwoch ein Asteroid die Erde - das ist weniger als die Distanz zwischen Erde und Mond. Der kosmische Brocken mit der Bezeichnung 2005 YU55 hat einen Durchmesser von 400 Metern und ist damit etwa so groß wie ein Flugzeugträger. Zuletzt ist 1976 ein Asteroid dieser Größe der Erde so nahe gekommen.

Für Astronomen bot sich mit dem Vorbeiflug des Himmelskörpers die seltene Chance, Urgestein aus der Entstehungszeit des Sonnensystems zu erforschen, ohne dabei gleich eine Raumsonde ins All schicken zu müssen. Asteroiden gelten schließlich als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Die nächste Gelegenheit zur nahen Beobachtung eines Asteroiden vergleichbarer Größe wird sich laut der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa erst wieder im Jahr 2028 ergeben.

Das Leben auf der Erde blieb von der Stippvisite des Asteroiden übrigens unberührt: Laut Nasa übte seine Schwerkraft trotz des nahen Vorbeiflugs keinen messbaren Effekt aus, weder auf die Gezeiten noch auf die tektonischen Platten der Erdkruste. Bei einer Kollision mit der Erde hätte es anders ausgesehen: In dem Fall wäre die Sprengkraft von zigtausenden Hiroshima-Bomben freigesetzt worden.