Berlin. Die Polizei hat bei Hannover einen weiteren mutmaßlichen Komplizen im Fall der Döner-Morde festgenommen, die vermutlich durch eine rechtsextremistische Gruppierung verübt wurden. ein 37-Jähriger  Deutscher werde dringend verdächtigt, ebenfalls Mitglied der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zu sein, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Die Wohnung des Verdächtigen werde durchsucht. Die NSU wird auch für die Morde an acht türkisch stämmigen Deutschen und einem Griechen zwischen 2000 und 2006 sowie für den Mordanschlag im April 2007 auf zwei Polizisten in Heilbronn verantwortlich gemacht.

Der Verdächtige habe seit Ende der 1990er Jahre mit den übrigen Mitgliedern der NSU in Kontakt gestanden, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Er habe deren fremdenfeindliche Einstellung geteilt und sei in dieselben rechtsextremistischen Kreise eingebunden gewesen. Der 37-Jährige werde beschuldigt, den drei untergetauchten Mitgliedern der NSU 2007 seinen Führerschein und vor etwa vier Monaten seinen Reisepass zur Verfügung gestellt zu haben. Zudem habe er mehrfach Wohnmobile für die Gruppe angemietet. Eines der Fahrzeuge sei bei dem Polizistenmord in Heilbronn benutzt worden. Die Bundesanwaltschaft ermittle außerdem gegen ihn, weil er sich möglicherweise direkt an den Mordtaten der NSU beteiligt habe, erklärte die Behörde. Am Montag solle er dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden. Von den drei übrigen mutmaßlichen Mitgliedern der NSU sind zwei tot, eine Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft.

Warnung vor Rechtsterrorismus

Nach dem Bekanntwerden der offenbar rechtsterroristischen Mordserie in Deutschland geraten die Sicherheitsbehörden indessen immer mehr in die Schusslinie. Der Vorsitzende des für die Kontrolle der Geheimdienste zuständigen Bundestags-Gremiums, Thomas Oppermann, erklärte am Samstag, er sei schockiert, dass es einer rechtsextremen Bande gelinge, über zehn Jahre hinweg unbehelligt Morde in Deutschland zu begehen. Es müsse gefragt werden, was bei der Aufklärung schiefgelaufen sei.

Die mutmaßlichen Täter wären schließlich schon in den 1990er Jahren unter Beobachtung des Verfassungsschutzes gestanden. "Der Thüringer Verfassungsschutz hatte 24 Aktenordner, aber keine Ahnung", kritisierte der SPD-Politiker. Der Fall müsse ein Weckruf sein, Rechtsextremismus endlich entschieden zu bekämpfen.