Rio de Janeiro. (rs) Ein großes internationales Energieunternehmen, ein die Umwelt bedrohender Ölteppich und ein sprudelndes Bohrloch in knapp 1200 Meter Meerestiefe. Die Zutaten erinnern frappant an die Katastrophe nach der Explosion der "Deepwater Horizion" im Sommer 2010. Der Schauplatz ist diesmal aber nicht der Golf von Mexiko, sondern die Küste Brasiliens und der Erdöl-Konzern heißt diesmal nicht BP, sondern Chevron.

Gleich sind hingegen die widersprüchlichen Angaben der ersten Tage, die es überaus schwer machen, das wahre Ausmaß des Schadens abzuschätzen. Unklar ist sowohl, wie viel Öl bisher aus der zumindest seit 7. November sprudelnden Ölquelle ins Meer geströmt ist, als auch, wie erfolgreich Chevron mit dem versuchten Verschluss des Bohrlochs war. Denn während Chevron-Ländermanager George Buck davon sprach, den Ölaustritt mit Hilfe von Zementierungen gestoppt zu haben und Herr der Lage zu sein, behauptet Brasiliens nationale Erdölagentur (ANP) das Gegenteil. Demzufolge sickert weiterhin Erdöl aus einem 400 Meter langen Riss ins Freie. Bestätigt wird der Ölaustritt laut ANP durch Filmaufnahmen.

Chevron hatte bereits am Samstag die "volle Verantwortung" für den Vorfall übernommen. Buck zufolge hatte man den Druck im Ölreservoir offenbar unterschätzt und daher ungeeignete Materialen zur Abdichtung des Bohrlochs verwendet. Im Zuge der weiteren Arbeiten gelangte das Öl dann durch dünne Risse im Gestein ins Wasser. Derzeit arbeite man aber bereits mit allen Kräften daran, den Ölteppich in den Griff zu bekommen, hieß es seitens des amerikanischen Konzerns. Laut Einschätzung der brasilianischen Polizei war Chevron auch nur schlecht auf einen derartigen Notfall vorbereitet.

Der Ölteppich hat laut ANP mittlerweile eine Größe von 163 Quadratkilometern. Nach Schätzungen Chevrons und der Erdölagentur waren pro Tag etwa 300 Barrel (ein Barrel entspricht 159 Liter) ausgetreten. Umweltschützer befürchten einen weitaus größeren Schaden. Der US-Umweltorganisation Skytruth zufolge könnten aber mehr als 3700 Barrel pro Tag ausgetreten sein. Die brasilianische Marine plante für Montag und Dienstag Flüge über das 370 Kilometer nordwestlich von Rio de Janeiro gelegene Ölfeld. Damit sollte geklärt werden, ob sich der Teppich weiter ausdehnt.