Wien. "Wer wirklich will, erreicht auch etwas im Leben", sagt die 19-jährige HAK-Maturantin Marija Antunovic. "Wir haben die Kraft, etwas zu schaffen", pflichtet ihr die gleichaltrige Evelyn Pang bei. Die Schülerinnen sind mit ihren Klassen zum Kolloquium der Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftspolitik (Wiwipol) mit dem Thema "Jugend ohne Hoffnung?" gekommen, das am Mittwoch in der Österreichischen Nationalbank stattfand. Neue Perspektiven für junge Menschen in Europa sollten präsentiert werden.

Der Großteil der Jugendlichen ist allerdings gar nicht hoffnungs- und perspektivlos. Vielmehr blicken die meisten positiv in die Zukunft, wie sie am Rande der Veranstaltung betonen. Eine Studie der Wirtschaftskammer Österreich untermauert diese Einstellung: Rund 80 Prozent der Jugendlichen sind in Hinblick auf ihren Werdegang optimistisch. Sie setzen auf Fleiß, Familie und Gleichbehandlung.

"Die präsentierten Zahlen über die hohe Jugendarbeitslosigkeit stimmen mich allerdings nachdenklich", räumt Antunovic ein. Liegt sie doch innerhalb der EU bei durchschnittlich 21 Prozent, Tendenz steigend. Spanien mit 46 und Griechenland mit 43 Prozent zählen zu den Spitzenreitern. In Österreich beträgt sie zwar nur rund 7 Prozent, ist somit aber doppelt so hoch wie die Gesamtarbeitslosigkeit. "Die Jungen von heute werden die Folgen der Jugendarbeitslosigkeit noch in der Pension merken", warnt Finanzstaatssekretär Andreas Schieder im Rahmen des Kolloquiums. Schuld daran sei die Finanzkrise.

"Die allein ist es aber nicht. Europa braucht eine gemeinsame Wirtschaftsstrategie mit der Orientierung: Was soll produziert werden, und wie sollen die Jugendlichen daher ausgebildet werden", entgegnet Christian Friesl von der Industriellenvereinigung. Die 2009 eingeführte Ausbildungsgarantie für Jugendliche in Österreich sei ein Schritt in diese Richtung. Damit könnte laut Markus Marterbauer von der Arbeiterkammer Wien auch die Arbeitskräfteknappheit, die paradoxerweise ebenfalls herrscht, aufgefangen werden.

"Bildungspolitik ist schuld"

"Das ist eine Veranstaltung über die Jugend, und ich sehe lauter ergraute Köpfe", ruft da Marawan Mansour, ein 22-jähriger Jusstudent, aus der Menge. Er sieht den Hund in der Bildungspolitik begraben. Das Niveau der Grundausbildung sei schlecht, daher müsse in die Ausbildung der Lehrer investiert werden.

Marija Antunovic will dennoch Lehrerin werden. Um Hoffnung zu vermitteln, wie sie sagt. Und ihre eigene Zukunft? "Da wird sich schon etwas ergeben."