Lüttich. Im Heim des Mannes, der am Dienstag in Lüttich (Belgien) drei Menschen erschossen hat, ist die Leiche einer Frau gefunden worden. Dies gaben die belgischen Justizbehörden am Mittwoch bekannt. Die Tote sei bei der Hausdurchsuchung am Dienstag entdeckt worden. Die Leiche lag in einem Depot, das der 33-jährige Täter unter anderem für seine Hanfpflanzungen genutzt hatte. Das sagte Lüttichs Generalstaatsanwalt Cedric Visart de Bocarme gegenüber dem belgischen Radio RTBF.

Die Frau könnte laut Bocarme von dem Attentäter getötet worden sein, bevor er ins Zentrum Lüttichs ging, wo er wahllos vier Personen tötete und mehr als 120 Menschen verletzte. Es handle sich um eine 45-jährige Frau, die bei der Nachbarin des Mannes als Putzfrau tätig gewesen war.

Der Anschlag im belgischen Lüttich hat insgesamt vier Todesopfer gefordert. Wie die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Krankenhausangaben berichtete, erlag ein 17 Monate altes Kleinkind am späten Dienstagabend seinen Verletzungen. Ein 33-Jähriger hatte gegen Mittag in der Innenstadt der ostbelgischen Stadt Handgranaten gezündet und um sich geschossen. Zwei 15 und 17 Jahre alte Jugendliche kamen ums Leben. Der Attentäter tötete sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft selbst.

Von den 123 Verletzten befanden sich in der Nacht auf Mittwoch laut Belga noch mehrere in kritischem Zustand, darunter ein 20-Jähriger, der schwere Hirnverletzungen erlitten hatte. Die Stadt stand unter Schock: Am Mittwochmittag will Lüttich der Opfer mit einer Mahnwache und einer Schweigeminute gedenken.

Wie die Lütticher Staatsanwältin Danielle Reynders sagte, war der wegen Waffendelikten, Drogen- und Sittlichkeitsvergehen vorbestrafte Mann am Dienstag eigentlich zu einem Polizeiverhör vorgeladen. Dazu sei er jedoch nicht erschienen. Stattdessen sei er mit einem Revolver, einem Gewehr und mehreren Blendgranaten zum zentralen Platz der ostbelgischen Stadt gefahren. Dort habe er von einem Gebäude aus das Feuer auf die Passanten eröffnet, sagte Reynders. An dem Platz befinden sich ein Weihnachtsmarkt und ein Gericht.

Täter beging Selbstmord
Der Attentäter habe sich selbst getötet. Das sagte Reynders am Mittwoch. Nordine Amrani habe sich durch einen Schuss in den Kopf getötet, gab die Staatsanwältin bekannt. "Der Rechtsmediziner hat gesagt, er hat sich mitten in die Stirn geschossen." Der Amokläufer habe kein Schreiben hinterlassen, in dem er seine Tat erklärt habe, fügte die Staatsanwältin hinzu. Zuvor war unklar gewesen, ob der Täter sich selbst richtete oder durch eine Explosion ums Leben kam. Es sei aber davon auszugehen, dass es sich um einen Einzeltäter handle. Ein terroristischer Hintergrund sei nicht erkennbar.

"Er machte eine weite Armbewegung, um etwas in Richtung der Bushaltestelle zu werfen", sagte der Journalist Nicolas Gilenne, der das Tatgeschehen beobachtete. Dann sei etwas explodiert. Der Täter habe sich umgedreht, einen anderen Gegenstand genommen und entsichert. "Er machte einen sehr entschlossenen Eindruck, er wollte so viele Personen wie möglich treffen", sagte Gilenne.

Belgiens König Albert II. und Königin Paola sowie Regierungschef Elio Di Rupo besuchten am Abend den Tatort. "Es gibt keine Worte, um diese Tragödie auszudrücken", sagte Di Rupo. Es handle sich aber um eine "isolierte Tat". EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, der Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek, und der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigten sich schockiert über die Gewalttat.

Nach Angaben der Justiz war der Täter im September 2008 wegen Besitzes von einem Dutzend Waffen und dem Anbau von 2.800 Cannabis-Pflanzen zu 58 Monaten Haft verurteilt worden. Im Oktober 2010 wurde er jedoch vorzeitig auf Bewährung entlassen. Dem belgischen Fernsehen zufolge soll der Mann in der Vergangenheit bereits mehr als 20 Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten sein.