Wien.

Andreas Bickel beim Werfen der gezuendeten Sprengladung fuer eine Lawinenesprengung bei Lech am Arlberg. - © APAweb / Dietmar Stiplovsek
Andreas Bickel beim Werfen der gezuendeten Sprengladung fuer eine Lawinenesprengung bei Lech am Arlberg. - © APAweb / Dietmar Stiplovsek
Sturmböen haben am Donnerstagabend in vielen Teilen Nordtirols Schäden an der Stromversorgung angerichtet. Mehr als 10.000 Haushalte waren vorübergehend ohne Elektrizität, teilte die Tiwag Netz AG mit. Die Reparaturtrupps standen im Dauereinsatz.

  Probleme gab es unter anderem im Raum Starkenbach/Imst, Ranggen und Sellrain (Bezirk Innsbruck-Land), Alpbachtal (Bezirk Kufstein) oder Hochfilzen (Bezirk Kitzbühel). 195 Versorgungsstationen seien abgeschaltet worden, berichtete Klaus Schüller von der Tiwag Netz AG. Etwa 100 Mann stünden in Bereitschaft, um die Stromversorgung wieder herzustellen. Vorerst war nicht abschätzbar, ob der Höhepunkt der Wetterkapriole bereits erreicht sei

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) hatte zuvor Wetterwarnungen für den Norden ausgegeben. Besonders schlimm soll es ab Donnerstagmittag das Grenzgebiet zwischen Vorarlberg und Tirol erwischen, für das die ZAMG "extreme Gefahr" prognostizierte. Bis zu einem Meter Neuschnee und mehr sind am Arlberg und im Silvrettagebiet zu erwarten. Entlang des Alpenhauptkammes ist für die kommenden Tage verbreitet mit Lawinenwarnstufe 4 zu rechnen. Spontanabgänge von Lawinen sind demnach möglich.

Experten des Tiroler Lawinenwarndienstes warnten vor Skitouren abseits gesicherter Pisten. Am kräftigsten sollten die Niederschläge entlang der Nordalpen, im Raum Arlberg/Außerfern, der Silvretta sowie entlang des westlichen Alpenhauptkammes ausfallen. Gefahrenstellen lagen in Steilhängen aller Expositionen, hauptsächlich oberhalb von etwa 1.800 Metern. Die Verhältnisse abseits der gesicherten Pisten wurden als "zunehmend kritisch" beurteilt, Skitouren und Variantenfahrten erforderten laut Rudi Mair vom Lawinenwarndienst "große Erfahrung".

Die Vorarlberger Landeswarnzentrale rechnete ebenfalls mit einem raschen Anstieg der Lawinengefahr. Am Abend und in der Nacht werde wegen der Verfrachtungen durch stürmischen Wind und des ergiebigen Neuschnees regional bereits die zweithöchste Stufe 4 ("groß") erreicht werden, hieß es. Ab dann seien auch spontane Lawinenabgänge möglich. Am Freitag und Samstag wird die Lawinengefahr im ganzen Land oberhalb von 1.800 Metern als groß eingeschätzt. Auch in Teilen des Bregenzerwaldes wurde mit mehr als einem Meter Neuschnee gerechnet.

Skiorte wie Lech am Arlberg bereiteten sich unterdessen auf den Neuschnee vor. Dass man infolge der Niederschläge einige Zeit wegen Lawinengefahr nicht erreichbar sein könnte, "das ist bei uns einfach so", erklärte Bürgermeister Ludwig Muxel. Die Hoteliers seien gut mit Vorräten versorgt und würden mit ihren Lagern im Fall einer Sperre gut aushalten. "Nach einigen Tagen könnte dann vielleicht einmal der frische Salat ausgehen. Sonst muss man bei uns kulinarisch aber sicher auf nichts verzichten", sagte Muxel.

Sowohl in Tirol als auch in Vorarlberg wurden Lawineneinsatzzüge des Bundesheeres in Bereitschaft versetzt. Dazu wurden für Einsätze in diesen beiden Bundesländern vier Hubschrauber des Typs Alouette 3 bzw AB 212 bereitgestellt.

Für Salzburg prognostizierte die ZAMG bis zu 80 Zentimeter Schneezuwachs. Von einem Schneechaos wollten die Meteorologen noch nicht sprechen. Allerdings könnten Gebirgsstraßen wegen Lawinengefahr gesperrt werden. Für Skitourengeher und Variantenfahrer abseits der Piste "ist die Situation sehr kritisch", warnte Michael Butschek von der ZAMG Salzburg.

In der Steiermark dürfte die Lawinengefahr in den westlichen Nordalpen (Dachsteingruppe, Totes Gebirge, Ennstaler- und Eisenerzer Alpen) auf die Gefahrenstufe "groß" ansteigen. Mit den prognostizierten intensiven Schneefällen und dem Sturm steige die Schneebrettgefahr sowie die Gefahr von Selbstauslösungen mittelgroßer bis großer Lawinen weiter, so Andreas Riegler vom Lawinenwarndienst.

Freitagabend sollen die Schneefälle laut ZAMG eine Pause machen. Entwarnung konnten die Experten aber nicht geben. Bis inklusive Dienstag werden Frontsysteme in rascher Folge von Nordwesten gegen die Alpen geführt. In den Nordstaulagen sei mit weiteren Schneefällen zu rechnen. Bis zu einem halben Meter Schnee könnte dann noch dazu kommen. Der Wind dürfte weiter lebhaft bis kräftig blasen, sodass auch die Lawinensituation prekär bleibt.