"Die Familie des Angeklagten ist tief zerrüttet. Die Aussagen der Verwandten als Zeugen sind daher nicht so wesentlich", begründete Richterin Sanin den Freispruch im Zweifel. "An der Decke, in der der Kadaver eingewickelt war, wurden keine Spuren des Angeklagte gefunden. Insgesamt ergibt sich keine geschlossene Indizienkette der Beweise." Auch das Fell des Bären sei nie gefunden worden, die zahlreichen DNA-Untersuchungen hätten keine belastenden Ergebnisse gebracht, sagte Sanin.

Unverständnis von Vier Pfoten udn WWF
"Ob gegen dieses Urteil seitens der Staatsanwaltschaft noch berufen wird, bleibt abzuwarten. Uns stimmt es traurig, dass nicht schon früher nähere Untersuchungen gegen den Angeklagten selbst sowie parallel gegen andere Verdächtige gemacht worden sind und nicht wegen der mutwilligen Tötung des Bären, also § 222 (3) Strafgesetzbuch, ermittelt wurde.", meint Helmut Dungler von "Vier Pfoten".

  "Ob es Vier Pfoten möglich sein wird, mehr über die Hintergründe zu erfahren, hängt davon ab, ob und inwieweit uns Akteneinsicht gewährt wird. Nur mit dieser könnten wir gegebenenfalls Lücken erkennen und Anzeige gegen weitere mögliche Täter erstatten. Zumindest aber steht ein Strafrahmen von bis zu drei Jahren auf eine Verurteilung wegen des Eingriffes in fremdes Jagdrecht und wird dazu führen, dass sich manche Jäger und Jägerinnen überlegen, ob sie solch ein Risiko lediglich für eine Trophäe eingehen möchten", so Dungler in der Aussendung.


Jeder Bär zählt
Mit Enttäuschung und Unverständnis reagiert der WWF auf den heutigen Freispruch jenes Kärntner Jägers, der im Juni 2009 den Braunbären "Roznik" im Grenzgebiet zu Slowenien illegal erschossen haben soll. "Es ist unfassbar, das es in Österreich, das so stolz auf sein Umweltbewusstsein ist, möglich ist, sich ungestraft über Naturschutz-und Jagdgesetze hinwegzusetzen, und streng geschützte Tierarten abzuschießen", erklärt WWF-Bärenexperte Christian Pichler geschockt.

Zwar würde man das Bemühen der Staatsanwaltschaft und der Ermittler sowie des Kärntner Landesjagdverbandes, die die Aufklärung des Falles vorangetrieben haben, anerkennen, so der WWF. "Das Ergebnis ist aber ernüchternd, und ein völlig falsches Signal an Menschen, die das Jagdrecht möglicherweise nicht so ernst nehmen", sagt Pichler.

Bei einem derartig sensiblen Bärenvorkommen wie in Kärnten, wo fünf bis acht Männchen vermutet werden, zähle jedes einzelne Individuum, so der WWF. Auch bei anderen gefährdeten Arten wie dem Seeadler oder Kaiseradler, häufen sich in Österreich die Fälle illegal geschossener Tiere. Auch beim Wolf, von dem im Jahr 2011 deutlich weniger Individuen als 2010 nachgewiesen wurden, liegt die Vermutung nahe, dass diese Tiere nicht alle abgewandert sind. "Wollen wir unsere gefährdeten Arten nun ein zweites Mal endgültig ausrotten?", fragt sich Pichler.

In Kärnten sei es jetzt umso wichtiger, dass LH-Stv. und Naturschutzreferent Uwe Scheuch und Agrar-Landesrat Josef Martinz aktiv den Bärenschutz vorantreiben, und endlich das international längst übliche genetische Monitoringprogramm starten. "Nur die DNA-Analyse der Bärenspuren liefert wissenschaftlich haltbare Daten über das tatsächliche Bärenvorkommen. Erst dann können gezielte Schutzmaßnahmen gesetzt werden."

Kärnten ist das wichtigste Schlüsselgebiet für die natürliche Wiederbesiedlung der Alpen durch den Braunbären. Im gesamten Alpenraum werden derzeit nur etwa 45 Braunbären vermutet.