Das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" lief vor der Insel Giglio auf Grund. - © APAweb / AP
Das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" lief vor der Insel Giglio auf Grund. - © APAweb / AP

Rom. Bei einem Schiffsunglück vor der Westküste Italiens sind drei Menschen, zwei französische Touristen und ein Matrose aus Peru, ums Leben gekommen. 14 Menschen wurden nach Angaben des Präfekten der Region Grosseto, Giuseppe Linardi,  verletzt. Tauchereinheiten sind im Einsatz, um festzustellen, ob es noch weitere Todesopfer gibt. Am Samstag Abend wurden noch immer 70 Menschen vermisst.

Nicht ausgeschlossen wird, dass einige Personen sich noch im Schiff befinden. Als das Schiff Schlagseite bekam, seien einige Passagiere in Panik geraten und über Bord gesprungen, sagte der Präfekt der Region Grosseto, Giuseppe Linardi. Das Schiff bekam bei dem Unfall einen 70 Meter langen Riss.

Laut dem Außenministerium in Wien befanden sich 74 Österreicher auf der "Costa Concordia". Wie viele und ob jemand von ihnen unter den Opfern ist, war zunächst nicht bekannt.

Das 290 Meter lange Schiff lief am Freitagabend gegen 20 Uhr zwischen der Insel Giglio und der südlichen Toskana auf Grund. An Bord sollen insgesamt mehr als 4.200 Menschen, darunter auch rund 500 Deutsche sowie tausend Italiener und 150 Franzosen, gewesen sein.Das Schiff war zuvor nach Angaben des Betreibers, der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere, in Civitavecchia nahe Rom zu einer Mittelmeerkreuzfahrt aufgebrochen und sollte nach Palermo, Cagliari, Palma de Mallorca, Barcelona und Marseille fahren. An der Rettung der Passagiere und der Besatzung beteiligten sich mehrere andere Schiffe, die in der Region unterwegs gewesen seien.

Zuwenig Schwimmwesten an Bord
Ein Geretteter berichtete, er habe einen lauten Knall gehört. Zunächst sei dann von Problemen mit der Elektrik die Rede gewesen, bevor eine Anweisung zum Anlegen von Rettungswesten ergangen sei. Ein Frau sagte, sie habe sich "wie auf der Titanic" gefühlt, als das Schiff zur Abendzeit Schlagseite bekommen habe. "Es gab zu wenig Schwimmwesten an Bord, die Leuten kämpften, um eine zu bekommen. Es war furchtbar. An Bord ist totale Panik ausgebrochen, einige Leute sind ins eisige Wasser gesprungen", berichtete eine Zeugin.

Salzburger Bürgermeister blieb unverletzt
An Bord befanden sich rund 3.200 Passagiere, die meisten davon Ausländer, und etwa 1.000 Mitarbeiter des Schiffs. Zu den Passagieren zählten auch 74 Österreicher, berichtete die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere. Aus der Badeortschaft Porto Santo Stefano, in der die überlebenden Passagiere versorgt wurden, wurden Busse organisiert, die die Österreicher in die ligurische Hafenstadt Savona bringen sollten. Von hier aus sollten sie in die Heimat zurückkehren. Zu den Touristen, die an Bord gewesen waren, zählte auch der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden (S). Er blieb unverletzt.

Die Heimkehr der Österreicher wird von Costa Crociere organisiert. Die Gesellschaft unterstützte die vielen Passagiere, die beim Unglück Dokumente und Gepäck verloren haben. Hunderte ausländische Passagiere, die unversehrt die Tragödie überlebten, wurden zum römischen Flughafen Fiumicino gebracht.

Ein menschlicher Fehler oder ein Defekt des elektronischen Systems sind laut Experten die wahrscheinlichsten Ursachen des Unglücks. "Es bestehen keine Zweifel, dass das Schiff gegen einen Felsen gestoßen ist. Man muss jetzt feststellen warum. Es kann sich um einen menschlichen Fehler oder auch um einen Defekt der elektronischen Geräte gehandelt haben", sagte ein Experte, der die Costa Concordia aus der Nähe überprüfen konnte. Fachleute vermuten, dass sich das Schiff zu stark der Insel Giglio genähert habe. Das Schiff hätte fünf Seemeilen von der Inselküste entfernt fahren müssen, doch bis dorthin war es nur eine Meile. Die Staatsanwaltschaft von Grosseto hat Ermittlungen in die Wege geleitet. Laut der Hafenbehörde von Livorno könnte ein technischer Defekt das Unglück verursacht haben. Der Kapitän wurde lange befragt.

Costa Crociere bezeichnete das Schiffsunglück als eine bestürzende Tragödie. "Das ist der tragischste Moment in der 64-jährigen Geschichte des Unternehmens. Wir sind sprachlos", sagte der Generaldirektor der Gesellschaft, Gianni Onorato. Den Angehörigen der Opfer sprach die in Genua ansässige Gesellschaft in einer Mitteilung am Samstag ihr Beileid aus. Man werde alles unternehmen, um die Passagiere und die Besatzungsmitglieder der "Costa Concordia" zu betreuen und im höchsten Maße mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Ursachen des Unfalls zu klären.