Helfer versuchen ins Innere der Costa Concordia zu gelangen. - © APAweb / Reuters
Helfer versuchen ins Innere der Costa Concordia zu gelangen. - © APAweb / Reuters

Rom. Nach der Havarie des italienischen Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" vor der Küste der Toskana haben die Rettungskräfte drei Überlebende vom Wrack gerettet. Die Feuerwehr konnte in der Nacht auf Sonntag ein südkoreanisches Ehepaar aus dem vor der Insel Giglio auf der Seite liegenden Schiff holen. Das Paar auf Hochzeitsreise sei mitgenommen, aber wohlauf, berichteten italienische Medien. Ein italienischer Bordoffizier mit gebrochenem Bein wurde ebenfalls gerettet. An Bord der "Costa Concordia" waren auch 77 Österreicher, die laut Außenministerium alle wohlauf sind.

Die Zahl der Todesopfer des Schiffsunglücks hat sich am Sonntag erhöht. Im Wrack des Kreuzfahrtschiffes haben Taucher zwei Leichen lokalisiert, berichteten die Rettungsmannschaften. Die Opfer wurden im hinteren Teil des Schiffes, das vor der Insel Giglio auf Grund gelaufen war, gefunden. Damit stieg die Zahl der verifizierten Todesopfer auf fünf. Bei den Toten handelt es sich um zwei ältere Männer. Ihre Leichen wurden in einer Kabine entdeckt, berichteten die Rettungsmannschaften. Die beiden Männer trugen Schwimmwesten. Mit dem Fund der beiden Leichen sank die Zahl der Vermissten auf 15.

Die Feuerwehr versuchte, jede Kabine des Luxusliners zu erreichen. Ein Sprecher der Küstenwache sprach jedoch von einer "riskanten Operation". Das Schiff befinde sich derzeit an einer 30 Meter tiefen Stelle, könne aber in tieferes Gewässer abrutschen und vollständig sinken, sagte er. Außerdem hätten sich die Bedingungen auf See verschlechtert.

Kapitän und Erster Offizier in Haft
Kapitän Francesco Schettino und sein Erster Offizier, Ciro Ambrosio, wurden wegen Fluchtgefahr festgenommen. Beiden wird schweres Fehlverhalten vorgeworfen. Sie hätten das Schiff lange vor Abschluss der Evakuierungsaktion verlassen, sagte Staatsanwalt Verusio. Nach einigen Berichten war Schettino schon fünf Stunden vor Ende der Evakuierungsaktion an Land. Der Kapitän behauptete jedoch, er habe als letzter das Schiff verlassen.

Schettino machte eine fehlerhafte Seekarte für das Unglück verantwortlich. Bewohner der Insel Giglio, vor der sich das Unglück ereignete, behaupteten dagegen, das Kreuzfahrtschiff sei viel zu nah beim Ufer gefahren und habe einen Felsen gerammt. Mit Hilfe der Blackbox des Schiffes soll die genaue Route der "Costa Concordia" festgestellt werden.

Das Schiff war am späten Freitagabend mit mehr als 4.200 Menschen an Bord in ruhiger See aufgelaufen, an einer Stelle, an der das Meer unweit vom Strand der Insel Giglio 15 bis 20 Meter tief ist. Wenig später kippte es zur Seite, ein langer Riss war zu erkennen. Bei der Evakuierung spielten sich nach Angaben von Passagieren chaotische Szenen ab. Mindestens 60 Personen wurden verletzt.

Nach Angaben von Passagieren ereignete sich das Unglück während des Abendessens. "Wir hatten uns gerade an den Tisch gesetzt, als wir diesen lauten Knall hörten", sagte Maria Parmegiano Alfonsi im italienischen Fernsehen. "Ich denke, wir sind auf einen Felsen aufgelaufen. Es herrschte große Panik, Tische kippten um, Gläser flogen durch die Gegend und wir sind an Deck gerannt, um unsere Schwimmwesten anzulegen." Ein anderer Gast sagte: "Der Strom fiel aus und alle schrien laut auf. Alle rannten auf und ab und dann zu ihren Kabinen, um herauszufinden, was passiert ist."

"Ich war sicher, dass ich sterben würde", sagte die 65-jährige Antonietta Sintolli. "Die Leute versuchten, sich gegenseitig die Schwimmwesten zu stehlen. Wir konnten nur für die Kinder welche bekommen." Augenzeugen zufolge hatten die zumeist asiatischen Besatzungsmitglieder erhebliche Probleme, Ordnung in das Chaos zu bringen, zumal nur wenige von ihnen italienisch gesprochen hätten. "Es war die totale Panik. Die Menschen führten sich auf wie Tiere. Wir mussten viel zu lange warten, um in die Rettungsboote zu kommen", sagte die 47-jährige Patrizia Perilli.

Das schwimmende Hotel mit mehreren Pools, Kinos und einer Diskothek kenterte nach Angaben von Costa Deutschland auf der Etappe seiner Mittelmeer-Kreuzfahrt von Civitavecchia bei Rom nach Savona. Als weitere Stationen waren demnach Marseille, Barcelona, Palma de Mallorca, Cagliari und Palermo geplant. Das zwischen 2004 und 2005 für 450 Millionen Euro gebaute Schiff wird von einer Tochtergesellschaft des Kreuzfahrtkonzerns Carnival betrieben. Das US-Unternehmen zählt zu den Branchenriesen und besitzt unter anderem den deutschen Marktführer Aida.