Giglio.

Das gekenterte Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" vor der Insel Giglio. - © APAweb/Reuters/Max Rossi
Das gekenterte Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" vor der Insel Giglio. - © APAweb/Reuters/Max Rossi
Die Anzahl der Todesopfer nach dem Kreuzfahrtunglück vor der Toskana dürfte weiter steigen. Nach der Bergung eines sechsten Todesopfers bestand am Montag kaum noch Hoffnung auf die Bergung weiterer Überlebender. 16 Personen werden noch vermisst. Die Bergungsarbeiten mussten am Montag auf unbestimmte Zeit unterbrochen worden.

Das auf Grund gelaufene Schiff sei an den Felsen in Bewegung geraten und neun Zentimeter tiefer ins Wasser gerutscht, sagte ein Feuerwehrsprecher. Um die Rettungskräfte nicht zu gefährden, sei das Schiff umgehend evakuiert worden. Es müsse nun zunächst beobachtet werden, ob das Schiff weiter absackt. "Wir wissen daher nicht, wann wir die Bergungsarbeiten wiederaufnehmen können", sagte Feuerwehrsprecher Luca Cari. Vor der Insel Giglio verschlechterten sich zudem die Witterungsbedingungen.

"Die Hoffnungen, weitere Vermisste lebend zu finden, sind minimal, doch die Suche wird fortgesetzt", hatte der Bürgermeister von Giglio, Sergio Ortelli, schon zuvor gesagt.

Für Donnerstag ist wiederum eine wesentliche Verschlechterung der Bedingungen prognostiziert. Nicht ausgeschlossen wird, dass die "Costa Concordia" ganz versinken könnte. Wegen der großen Ölmengen im Tank könnte das zu einer Umweltkatastrophe führen, warnten Experten.

Kapitän am Pranger
Die Kreuzfahrtschiffgesellschaft gibt dem Kapitän die Schuld an dem Schiffsunglück. "Die Firma steht dem Kapitän bei und wird ihm alle notwendige Unterstützung gewähren. Aber wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen und können menschliches Versagen nicht bestreiten", sagte Costa-Kreuzfahrten-Chef Pier Luigi Foschi am Montag in Genua. Der mittlerweile verhaftete Kapitän habe die Bestimmungen der Reederei verletzt und das Unglück verursacht.

Die Vorwürfe gegen den Kapitän der "Costa Concordia" haben sich am Montag erhärtet. Hunderte Zeugen, darunter Passagiere und Mitglieder der Rettungsteams, wurden vernommen. Fest stehe, dass Kapitän Francesco Schettino das Schiff verlassen habe, als sich noch viele Passagiere an Bord der Costa Concordia befanden, sagte der Oberstaatsanwalt der toskanischen Stadt Grosseto, Francesco Verusio.

Laut Reederei habe sich der Kapitän nicht an die Bestimmungen gehalten. "Die Route des Schiffs führte offenbar zu nahe an der Küste vorbei, wobei sich die Einschätzung des Kapitäns für einen Notfall nicht mit den von Costa vorgegebenen Standards deckte", heißt es in einer Presseaussendung der Costa Crociere. Schettino sei 2002 als Sicherheitsoffizier zu Costa gekommen und 2006 zum Kapitän ernannt worden.

Schettino sitzt seit Samstag in Untersuchungshaft. Ihm droht unter anderem ein Verfahren wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung.

Einzelheiten zum Hergang des Unglücks erhofft man sich von der Auswertung der Blackbox des Schiffes, die ähnlich wie in Flugzeugen Kommunikation auf der Brücke und Steuerbefehle aufzeichnet.