Rom.

Der Einsatz der Taucher musste erneut gestoppt werden. - © REUTERS
Der Einsatz der Taucher musste erneut gestoppt werden. - © REUTERS
(rs) Die Vorboten des gegen Abend erwarteten Sturms waren noch kaum spürbar gewesen, dennoch mussten die Rettungstaucher schon am Freitagvormittag ihre Arbeit neuerlich einstellen. Zu gefährlich schien den Einsatzkräften die Lage, nachdem sich die verunglückte "Costa Concordia" erneut Zentimeter für Zentimeter in Richtung des nur wenige Meter entfernten Steilabbruchs bewegt hatte. Was die See mit dem auf Grund gelaufenen Schiff anrichten würde, wenn die Wellen die prognostizierte Höhe von 2,5 Metern erreichen, traute sich am Freitagnachmittag kaum jemand vorhersagen. Für den schlimmsten Fall wurde sogar damit gerechnet, dass das Schiff bis zu 70 Meter in die Tiefe rutscht.

Doch auch wenn die "Costa Concordia" den aktuellen Sturm glimpflich überstehen sollte, ist das grundlegende Problem damit noch nicht aus der Welt. Im Winter sind Schlechtwetterfronten im Mittelmeer häufig und es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ein noch viel stärkerer Sturm auf das Wrack trifft.

Am Freitag wurden daher bereits überlegt, die "Costa Concordia" mit starken Seilen an Land zu vertäuen und dadurch zu sichern. Ein am Nachmittag erstmals eingesetzter Unterwasserroboter soll die dafür notwendigen Informationen vom Meeresgrund liefern. 10.000 Quadratmeter in Bug- und Hecknähe hat das ferngesteuerte Fahrzeug, das auch gleichzeitig nach Vermissten sucht, bereits unter die Lupe genommen. Am Freitag wurde auch bekannt, dass Kapitän Francesco Schettino den Unfall von Beginn an heruntergespielt hat. Bereits drei Stunden vor dem berühmt gewordenen Telefonat mit Hafenkapitän Gregorio De Falco hat der 52-Jährige einem Mitarbeiter der Hafenkommandantur erzählt, man habe lediglich ein kleines technisches Problem an Bord. Zu diesem Zeitpunkt drang allerdings schon seit 30 Minuten Wasser in die "Costa Concordia". Knapp 40 Minuten nach dem Aufprall auf den Felsen soll ein Crew-Mitglied sogar noch Passagiere zurück in ihre Kabinen geschickt haben.

Am Freitagabend hat Italiens Regierung in dem vom Unglück betroffenen Gebiet rund um die Insel Giglio indes den Notstand ausgerufen. Dadurch soll schnelle Hilfe ermöglicht und zusätzliche Geldmittel locker gemacht werden, sagte Umweltminister Corrado Clini. Er warnte auch vor der Gefahr, dass das Schiff sinken könnte.