Giglio.

Die Costa Concordia in extremer Schieflage vor der Insel Giglio. - © APAweb/Jörn Haufe/dapd
Die Costa Concordia in extremer Schieflage vor der Insel Giglio. - © APAweb/Jörn Haufe/dapd
Die Tauchmannschaften haben am Montag vor der toskanischen Insel Giglio die Suche nach weiteren Vermissten im Wrack des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" wieder aufgenommen.  Mit Sprengkörpern wollen sich die Teams Zugang zu jenen Teilen des Wracks verschaffen, zu denen sie bisher noch nicht vordringen konnten.

In dem am 13. Jänner vor der toskanischen Küste verunglückten Schiff wurden am Montag zwei weitere Leichen gefunden. Die Zahl der geborgenen Toten erhöhte sich damit auf 15. 19 Menschen werden noch vermisst.

Die Suche nach den Vermissten war Sonntagfrüh vorübergehend gestoppt worden. Die Taucher wurden nach Angaben der Agentur Ansa angewiesen, das halb im Wasser liegende Schiff zu verlassen, nachdem festgestellt worden war, dass sich der Havarist erneut bewegt hatte.

Die Behörden vermuten, dass sich mehrere blinde Passagiere an Bord befunden haben könnten. Zivilschutz-Einsatzleiter Franco Gabrielli erklärte, dass die am Sonntag entdeckte Leiche einer Ungarin nicht in den offiziellen Listen eingetragen gewesen sei. Vier weitere Leichen seien bisher ebenfalls nicht identifiziert worden, anhand der Passagierlisten sei dies nicht möglich. Wegen dieser Ungenauigkeiten müsse noch von mindestens 24 Vermissten ausgegangen werden.

Kapitän will Verantwortung für Unlgück nicht allein übernehmen
Unterdessen wurden Details der Einvernahmen des Kapitäns der "Costa Concordia" bekannt. Demnach hat Kapitän Francesco Schettino erklärt, die Reederei sei sehr wohl über das Manöver informiert gewesen, das als Ursache der Havarie gilt. Mit Routen, die nahe an der Küste entlang führen, "machen wir Werbung für uns", zitierte der "Corriere della Sera" den unter Hausarrest stehenden Kapitän der "Costa Concordia". Manöver dieser Art habe es bereits "vor Capri, Sorrento, auf der ganzen Welt" gegeben, habe Schettino weiter gesagt.

Das hatte die Reederei bisher in Abrede gestellt. Bei der sogenannten Verneigung grüßt das Schiff mit voller Beleuchtung und Sirenen die Küstenbewohner. Die "Costa Concordia" ist viel zu nahe an die Insel Giglio geraten und auf einen Felsen aufgelaufen. "Das Manöver war schon beim Start in Civitavecchia beschlossen worden, doch ich habe einen Fehler gemacht. Ich kenne die Strecke gut und ich hatte das Manöver schon drei- oder viermal vollführt. Diesmal bin ich in zu seichtes Wasser geraten. Ich weiß nicht, warum das passiert ist", sagte Schettino den Ermittlern.

Black Box war angeblich defekt
Die Black Box des Schiffs, von der man sich Aufschlüsse über den Hergang des Unglücks erwartete, hat laut Schettino schon in den zwei Wochen davor nicht funktioniert. "Wir hatten gebeten, sie (die Black Box, Anm.) zu reparieren, doch es ist nicht geschehen", wurde der Kapitän zitiert. Es gebe jedenfalls einen weiteren "Voyage Data Recorder", der Aufschluss darüber geben könnte, was der Kapitän zum Zeitpunkt der Havarie tat.

Chemische Stoffe bereits ins Meer gelangt
Der italienische Zivilschutz hat indes vor einer Verschmutzung des Meeres unweit der Insel Giglio gewarnt. Nicht nur Treibstoff gefährde die Gewässer, in der "Costa Concordia" befänden sich auch jede Menge Abfälle und chemische Produkte, die zum Teil bereits ins Wasser gelangt seien, sagte der Chef der Behörde, Franco Gabrielli, nach Medienangaben vom Sonntag.

Die Reederei Costa Crociere hat ein Spezialunternehmen mit dem Abpumpen des Öls beauftragt. Laut der italienischen Regierung können diese Arbeiten jedoch nicht in Angriff genommen werden, solange die Suche nach Vermissten noch im Gange ist. 2.400 Tonnen Dieselöl befinden sich in den Tanks der "Costa Concordia". Sollten sie ins Wasser gelangen, wäre das Meeresschutzgebiet im Toskanischen Archipel in akuter Gefahr.

Schiffswrack lockt Touristen an
Das Schiff wurde mittlerweile zu einer Touristenattraktion. Tausende Menschen besuchten die Insel Giglio, um das Wrack zu fotografieren und die Rettungsteams zu beobachten, die noch nach Vermissten suchen. Touristen versuchten, Boote zu mieten, um sich dem Wrack zu nähern, berichteten italienische Medien.