Rom.

Da die Costa Condordia nun stabil zu sein scheint, konnte mit dem Abpumpen des Treibstoffes begonnen werden. - © APAweb/EPA
Da die Costa Condordia nun stabil zu sein scheint, konnte mit dem Abpumpen des Treibstoffes begonnen werden. - © APAweb/EPA
Eine weitere Leiche wurde am Dienstag an Deck des havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" gefunden. Dabei handelt es sich um eine ältere Frau, teilte Italiens Zivilschutzbehörde mit. Am Abend mussten die Sucharbeiten erneut abgebrochen werden.

Die Leiche befand sich unweit des Decks drei, zu dem sich die Tauchermannschaften mit Hilfe von Sprengkörpern Zugang verschaffen konnten. Dort werden weitere Leichen vermutet. Die Zahl der Todesopfer ist damit auf 16 gestiegen, 22 Menschen werden nach wie vor vermisst, teilte der Zivilschutz mit.

Die Suche nach Vermissten ist am Dienstagabend indes vorübergehend gestoppt worden. Wie der Einsatzleiter mitteilte, gefährdeten die Wetterbedingungen die Sicherheit der Einsatzkräfte. Am Abend zog stärkerer Wind auf.

Das Abpumpen des giftigen Schweröls aus den Tanks der "Costa Concordia" verzögert sich derweil mindestens bis zum Wochenende. Nach Beginn der Aktion dürfte es rund vier Wochen dauern, bis die etwa 2300 Tonnen Treibstoff, darunter viel Schweröl, aus den 17 Tanks entsorgt sind.

Abgehörtes Telefonat belastet Kapitän
Der Kapitän des Schiffes wird indes weiter belastet. In einem von der Polizei abgehörten Telefongespräch mit einem Bekannten, das Francesco Schettino einen Tag nach dem Unglück führte, sagte er: "Als ich begriffen habe, dass sich das Schiff neigte, habe ich mich gepackt und bin abgestiegen." Italienische Medien veröffentlichten die Protokolle des Telefonats am Dienstag. Noch am selben Abend wurde Schettino verhaftet. Bisher hatte der Kapitän stets behauptet, er sei in eine Schaluppe "gefallen". Deswegen habe er das Schiff verlassen. Von einem Felsen aus habe er dann die Evakuierungsaktion koordiniert.

In einem weiteren abgehörten Telefongespräch gab Schettino seine Verantwortung zu. Er habe sich zu stark der Insel Giglio genähert. "Ich hätte nicht so nah an die Insel fahren sollen", sagte er. Schettino gab im Telefonat zu verstehen, dass "ein Manager" Druck auf ihn gemacht habe, damit er das Manöver namens "Die Verneigung" unternehme, bei dem das Schiff in voller Beleuchtung und mit Schiffsirenen die Küstenbewohner grüßt. Wer dieser Manager sei, war noch unklar.

Auf den Seekarten sei der Fels nicht eingetragen gewesen, gegen den das Schiff geprallt sei, sagte Schettino. Nach der Havarie habe er alles Notwendige unternommen, um weitere Schäden zu vermeiden und Menschenleben zu retten.

Der Kapitän steht wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, des Schiffbruchs und des Verlassen der "Costa Concordia" vor Ende der Evakuierungsaktion unter Hausarrest in seinem Heimatort Meta di Sorrento südlich von Neapel. Ihm drohen bis zu 15 Jahren Haft.

Reederei unter Beschuss
Zunehmend ins Visier der Staatsanwälte gerät indes auch die Reederei Costa Crociere. Wesentliche Sicherheitsvorkehrungen seien an Bord ignoriert worden, vermuten die Ermittler. Das Personal sei auf die Evakuierung vollkommen unvorbereitet gewesen. "Die einfachsten Sicherheitsvorkehrungen im Fall eines Notstands an Bord sind nicht berücksichtigt worden", bemängelte der ermittelnde Staatsanwalt Beniamino Deidda nach Medienangaben vom Dienstag. Im Chaos nach der Havarie seien die Gäste sogar aufgerufen worden, sich in ihre Kabinen zurückzuziehen. Niemand habe die Führung der Evakuierungsprozeduren übernommen.

Die Reederei habe bisher dem Kapitän die Schuld für die Katastrophe in die Schuhe geschoben, so der Staatsanwalt. "Der Kapitän hat sich auf tragischste Weise unfähig erwiesen. Doch wer hat diesen Kapitän eingesetzt?", fragte sich Deidda.