London.

Norman Foster hat den Mega-Flughafen mit vier Startbahnen bereits zu Papier gebracht. + partners
Norman Foster hat den Mega-Flughafen mit vier Startbahnen bereits zu Papier gebracht. + partners
Ganz neu ist die Idee ja nicht. Seit vierzig Jahren wird in England erörtert, ob man im Osten Londons, irgendwo in der dünnbesiedelten Themsemündung, einen neuen Flughafen anlegen könnte. Erst in jüngster Zeit aber ist der Gedanke wirklich ernst genommen worden. "Hoffähig" gemacht hat ihn Londons konservativer Bürgermeister Boris Johnson. Jetzt soll "Boris Island" zum nationalen Thema werden. Die Fantasie-Insel des Mayor tritt ins Planungsstadium ein.

Käme es zu dem Bau, erhielte der Großraum London einen Airport mit vier Start- und Landebahnen, der 150 Millionen Passagiere im Jahr verkraften könnte. 50 Milliarden Pfund würde das Projekt mindestens kosten und wahrscheinlich würde es Jahrzehnte dauern, bis ein solcher Flughafen betriebsbereit wäre. Aber nach Ansicht des Bürgermeisters hat London gar keine andere Wahl, wenn die Stadt mit dem bislang größten und zugleich überstrapaziertesten Flughafen Europas im internationalen Wettbewerb weiter mithalten will - selbst zu dem Preis, dass eine solche Verlagerung langfristig die Schließung Heathrows bedeuten würde.

Regierungschef David Cameron, der voriges Jahr solchen Ideen noch skeptisch gegenüberstand, hat nun offenbar grünes Licht für entsprechende Konsultationen gegeben. Offiziell präsentieren will er diese erste Planungsrunde aber erst im März, wenn auch das neue Gesamtprogramm für den britischen Luftverkehr vorgestellt wird. Festgelegt hat sich Cameron bisher nur darauf, dass Heathrow keine weitere Piste erhält - obwohl der Flughafen schon zu 99 Prozent ausgelastet ist. Auch die anderen Flughäfen rund um die britische Hauptstadt (Gatwick, Stansted, Luton und City Airport) sollen nicht weiter ausgebaut werden. Bei der erwarteten Zunahme des Flugverkehrs bleibt den Regierenden nach eigener Überzeugung damit also nichts anderes übrig, als rasch nach einer Alternative zu suchen. Und genau diese Alternative glaubt Bürgermeister Johnson seinen Parteifreunden in den feuchten Niederungen der Themsemündung offerieren zu können.

500 Millionen Passagiere


Der Flughafen, der zur neuen internationalen Drehscheibe Londons werden soll, würde wahrscheinlich auf einer Insel oder Halbinsel am Rande der Isle of Grain entstehen. Er wäre doppelt so groß wie Heathrow und im Urteil seiner Befürworter ideal für die Flugkorridore in die zukunftsträchtigen Staaten des Ostens. Eilverbindungen nach London und die Anbindung an eine gerade geplante Hochgeschwindigkeitstrasse nach Nordengland sowie an den Eurostar würden ihn das britische Bahnnetz integrieren. Neue Autobahnen würden für eine leistungsfähige Straßenverbindung sorgen. Zugleich würde man auch die Themse-Barriere verstärken müssen: damit der Flughafen nicht in Flutgefahr kommt. Entwürfe für einen solchen Riesen hat Lord Norman Foster, einer der prominentesten Architekten des Königreichs, schon vorgelegt.