Berlin. Vor dem Kammergericht Berlin müssen sich seit Mittwoch zwei mutmaßliche radikale Islamisten verantworten. Einer der Männer ist der Österreicher Maqsood L., der am 16. Mai in Berlin aufgrund eines Europäischen Haftbefehls der österreichischen Justiz verhaftet worden ist. Anfang Juni wurde gegen den 22-Jährigen wegen mutmaßlicher Unterstützung der terroristischen Vereinigung "Deutsche Taliban Mujaheddin" (DTM) ein Haftbefehl in Deutschland erlassen. Er soll in Berlin Geld für das Terrornetzwerk Al-Kaida gesammelt haben.

Bei dem zweiten Angeklagten, dem 26-jährigen Deutschen Yusuf O., soll es sich um einen Mitbegründer der DTM handeln. Zum Prozessauftakt ließen beide Angeklagten nach Angaben eines Gerichtssprechers über ihre Anwälte erklären, dass sie sich nicht zu den Vorwürfen äußern werden.

Laut Anklage soll Yusuf O. im Mai 2009 von Deutschland in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet gereist sein. Dort habe er im September 2009 mit weiteren Islamisten aus Deutschland die terroristische DTM gegründet. Er habe sich an Kampfeinsätzen der DTM beteiligt und sei in Propagandavideos der Vereinigung aufgetreten. Zudem soll er versucht haben, über Internetchats in Deutschland neue Mitglieder und Unterstützer für die DTM zu gewinnen.

Im September 2009 soll der 26-Jährige in einem Internet-Video den sofortigen Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan gefordert und andernfalls mit einem "bösen Erwachen" gedroht haben. In dem Video wurden Bilder unter anderem vom Brandenburger Tor und der Frankfurter Skyline eingeblendet. In vielen deutschen Städten wurden daraufhin die Sicherheitsvorkehrungen erhöht.

Yusuf O. soll sich 2010 der Al-Kaida angeschlossen und den Angeklagten Maqsood L. kennengelernt haben. Beide bekamen dann laut Anklage von einem Führungsmitglied der Al-Kaida den Auftrag, in Europa Geld für die Organisation zu sammeln und neue Mitglieder und Unterstützer zu rekrutieren.

Die DTM verfolgt laut der deutschen Bundesanwaltschaft das Ziel, in Afghanistan eine religiös-fundamentalistische Gesellschaftsordnung zu errichten. Die Vereinigung verübt demnach Anschläge sowohl auf afghanische und pakistanische Regierungstruppen als auch auf Mitglieder der internationalen NATO-Schutztruppe ISAF. Wegen der Beteiligung der deutschen Bundeswehr an dem Militäreinsatz der NATO sei auch Deutschland ins Visier der DTM geraten. Für den Prozess vor dem Berliner Kammergericht sind knapp 50 Verhandlungstage bis Ende Juni anberaumt.

Zuletzt waren in Berlin 2011 drei Terrorhelfer verurteilt worden, unter ihnen die Frau des Anführers der islamistischen "Sauerland-Gruppe". Sie bekam eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren. Das Gericht bescheinigte ihr eine glaubhafte Abkehr vom Terrorismus.