Rom.

Möwen ziehen vor dem havarierten Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" vor der Insel Giglio ihre Runden. - © APAweb/Pier Paolo Cito/AP
Möwen ziehen vor dem havarierten Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" vor der Insel Giglio ihre Runden. - © APAweb/Pier Paolo Cito/AP
Die Vermisstensuche im versunkenen Teil des Wracks der "Costa Concordia" wird nicht wieder aufgenommen. Dies teilte Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli den betroffenen Angehörigen am Dienstag mit. Für die Aktion sei keine ausreichende Sicherheit gegeben, berichtete Gabrielli. Die Suche soll jedoch im restlichen Teil des Schiffes sowie im Meer fortgesetzt werden.

Die Aktion war Sonntag früh unterbrochen worden, weil sich das Schiff in der Nacht etwas stärker bewegt hatte. Kontrollinstrumente hätten gezeigt, dass sich die "Costa Concordia" innerhalb von sechs Stunden um dreieinhalb Zentimeter verschoben hat. Der Krisenstab auf der Insel Giglio hatte mehrfach betont, dass sich das 290 Meter lange Schiff zwar leicht bewege, jedoch stabil auf einem Felsen liege.

Wegen des aufziehenden Schlechtwetters waren schon am Samstag die letzten Vorbereitungen für das Abpumpen des Treibstoffs aus den Tanks unterbrochen worden. Am Sonntag wurde eine 17. Leiche geborgen. Nach den Daten der Präfektur vom Sonntag fehlt noch von 16 Personen jede Spur.

Aus Livorno traf unterdessen ein Schiff ein, das den Müll aufnehmen soll, der von der "Costa Concordia" ins Meer geschwemmt wurde.

Bordarzt belastet Kapitän
Gegen den Kapitän der am 13. Jänner verunglückten "Costa Concordia" sind am Dienstag indes neue Vorwürfe bekannt geworden. Nach Angaben des Bordarztes Gianluca Marino Cosentino kam es wegen Francesco Schettinos Verhalten zu gravierenden Verzögerungen bei der Evakuierung. "Das Besatzungspersonal war schon eine halbe Stunde lang zur kompletten Evakuierung bereit, bevor per Lautsprecher der Befehl zum Verlassen des Schiffes kam", so Cosentino im Interview mit der neapolitanischen Tageszeitung "Il Mattino". Der Evakuierungsbefehl war seiner Ansicht nach nicht vom Kapitän gegeben worden. "Es war zu 90 Prozent nicht seine Stimme", so Cosentino.

In der Nacht nach der Havarie sei ihm der Kapitän geschockt und nicht bei sich vorgekommen. Er sei keineswegs seinen Koordinierungspflichten an Bord nachgekommen, so der Bordarzt. "Ich war sehr überrascht, als ich nach Mitternacht Schettino ohne Uniform auf der Insel Giglio gesehen habe", so Cosentino.