Die Kältewelle hat Osteuropa  voll im Griff. Bei Temperaturen von fast minus 30 Grad Celsius sind dutzende Menschen, vor allem Obdachlose, erfroren. Die meisten Todesopfer (30) wurden in der Ukraine gezählt.

Die sibirische Kälte hat in der Ukraine in den vergangenen Tagen bereits mindestens 30 Todesopfer gefordert. Die meisten von ihnen waren Obdachlose, die bei Temperaturen von bis zu minus 28 Grad auf der Straße erfroren, wie das Katastrophenschutzministerium am Dienstag in Kiew mitteilte. Vier Menschen wurden tot in ihren Wohnungen gefunden. Mehr als 600 Menschen brauchten demnach ärztliche Hilfe wegen Erfrierungen und Unterkühlung, etwa 540 von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Fotostrecke 8 Bilder

Wegen der klirrenden Kälte wurden mehr als 3.200 Schulen vorübergehend geschlossen, damit hatten rund 400.000 Kinder schulfrei. Die Behörden betreiben landesweit fast 1.600 Unterkünfte, in denen Bedürftige sich aufwärmen können und Mahlzeiten bekommen. Weitere 150 Quartiere sollen eröffnet werden.

Kälte- und Grippewelle in Bulgarien
In Bulgarien starben bei bis zu minus 29 Grad mindestens acht Menschen. Im ganzen Land wurde am Dienstag die zweithöchste Warnstufe orange ausgerufen. Zu den eisigen Temperaturen kam noch eine rollende Grippewelle hinzu - an 454 Schulen fiel der Unterricht aus. Am kältesten war es in der Kleinstadt Knescha im Nordwesten des Balkanlandes, wo ein Kälterekord aus dem Jahr 1942 übertroffen wurde.

In Litauen ist in der Hauptstadt Vilnius am Montag erneut ein Mensch erfroren. Landesweit würden zudem zehn Menschen wegen Erfrierungen in Krankenhäusern behandelt, meldete das Online-Portal Delfi unter Berufung auf Rettungskräfte. Wegen der Kälte kam es in der zweitgrößten litauischen Stadt Kaunas vereinzelt zu Ausfällen der Verkehrsampeln. In der Hafenstadt Klaipeda sorgten vereiste Bustüren für Verzögerungen im öffentlichen Nahverkehr.

In der Nacht auf Dienstag wurde in der Nähe der Kleinstadt Korela im Südosten Estland mit minus 27,5 Grad eine neue Tiefsttemperatur in diesem Winter gemessen. Auch in Lettland und Litauen zeigte das Quecksilber vereinzelt Werte unterhalb der Minus-20-Grad-Marke an, berichteten lokale Medien am Dienstag. In Lettland und Litauen forderten die Bildungsministerien die Eltern auf, ihre Kinder zu Hause zu behalten. Auch in Estland blieben viele Schüler aufgrund der Kälte dem Unterricht fern.

Die Temperaturen sollen in den kommenden Tagen weiter auf stellenweise unter minus 30 Grad fallen. Die Ehrenwache vor dem lettischen Freiheitsdenkmal und dem Präsidentenpalast in Riga wurde wegen des strengen Frosts bis auf weiteres ausgesetzt.

Tausende Polen ohne Warmwasser
In Polen musste am Dienstag indes tausende Menschen auf Warmwasser verzichten. Der Frost hatte die Wasserrohre bersten lassen. Betroffen waren vor allem Altbauten. Nach der Havarie eines Hauptrohrs waren in Kluczbork in Oberschlesien seit den frühen Morgenstunden etwa 7.000 Menschen ohne Wasser, berichtete der Nachrichtensender TVN 24. Auch in Warschau mussten mehrere Wohnsiedlungen ohne Wasser auskommen.

Nachdem bereits in den vergangenen Tagen zehn Menschen erfroren waren, wollte die Warschauer Stadtverwaltung in der Nacht auf Mittwoch an mehr als 40 Haltestellen der Busse und Bahnen Feuerstellen aufstellen, an denen sich wartende Fahrgäste oder Obdachlose aufwärmen können. Einige Wärmeöfen waren bereits in der Nacht auf Dienstag im Einsatz.

Ausläufer der sibirischen Kälte haben am Dienstag indes auch Griechenland erreicht. Wie das griechische Wetteramt mitteilte, wurden im Norden des Landes Temperaturen von minus zwölf Grad gemessen. Zahlreiche Schulen in Mittelgriechenland blieben geschlossen. Viele Fährverbindungen fielen wegen stürmischer Winde in der Ägäis aus.

In Athen herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt. In der griechischen Hauptstadt, in der unter anderem auch wegen der Finanzkrise 20.000 Menschen obdachlos sind, wurden Hallen geöffnet, damit diese Menschen Zuflucht finden können.

Freiwillige Helfer versorgten Obdachlose auf den Straßen mit warmen Getränken, Decken, Schlafsäcken, wie das Fernsehen berichtete. Dies galt auch für die nordgriechische Hafenstadt Thessaloniki. Das Wetteramt warnte vor einer weiteren Verschlechterung des Wetters. Sogar auf Kreta sollte es in den kommenden Tagen schneien, hieß es.