(rie/apa) Die eisige Kälte hat Europa weiter fest im Griff. Beinahe in allen europäischen Hauptstädten waren die Temperaturen am Dienstagvormittag im Minus. Während im Süden wieder wärmere Luft einzieht, darf sich ausgerechnet die am nördlichsten gelegene Hauptstadt der Welt über Plusgrade freuen.

Während die Kälte aus Griechenland und Spanien wieder am Abziehen ist, bibbert Zentral- und Osteuropa weiter unter Gefrierschranktemperaturen. Am kältesten ist es derzeit in der Ukraine, Russland, Polen, Rumänien und dem Baltikum. Im hohen Norden gibt's dafür Plusgrade. Islands Hauptstadt Reykjavik war am Dienstag mit knapp sechs Grad eine der wärmsten Hauptstädte Europas.

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Zahlreiche Kältetote in Osteuropa
Die Zahl der Kältetoten in Europa ist indes weiter gestiegen. Über 300 Menschen starben seit Beginn der Kältewelle. In Polen erfroren in der Nacht auf Dienstag bei Temperaturen um minus 14 Grad sechs Personen, die meisten von ihnen waren obdachlos. Die Zahl der Kältetoten liegt damit bereits bei 68. Hinzu kommen zwölf Tote durch Kohlenmonoxidvergiftungen. Trotz der Warnungen der Behörden, Kohleöfen und Lüftungsanlagen auf Lecks testen zu lassen, wurden seit Anfang Februar mehr als 300 Vergiftungsfälle bekannt.

In Tschechien erfror ein 44-jähriger Obdachloser in einer Holzhütte in einem Vorort von Prag. Laut der tschechischen Nachrichtenagentur CTK starben in dem Land bereits rund 20 Menschen durch die klirrende Kälte.

In Bosnien erfroren am Dienstag zwei Personen. In Belgrad wurde Polizeiangaben zufolge eine Frau von einem vier Kilogramm schweren Eiszapfen erschlagen, der von einem zwölfstöckigen Gebäude auf den Gehweg herunterkrachte. Auf der griechischen Insel Symi wurde nach schweren Regenfällen eine Frau aus Großbritannien von den Wassermassen erfasst, sie ertrank.

Schnee und Kälte in Italien
In Italien stieg die Zahl der Todesopfer auf insgesamt 30, nachdem am Dienstag vier neue Tote hinzu gekommen waren. Am Gardasee wurden minus 25 Grad Celsius gemessen und selbst im Süden des Landes schneite es heftig. In der Stadt L'Aquila in den Abruzzen, die 2009 von einem Erdbeben zerstört wurde, fürchteten die eingeschneiten Bewohner eine Lebensmittelknappheit. Zugleich meldeten sie, ausgehungerte Wölfe seien im nahegelegenen Dorf Trasacco aufgetaucht.

Bulgarien: Schneechaos nach Regenflut
Bulgarien kämpft nach einer Regenflut mit heftigen Schneestürmen. Am schwersten getroffen war die Region der Donaustadt Russe. Dort gab es drei Meter hohe Schneeverwehungen, berichtete der Staatsrundfunk in Sofia. Die einzige Brücke über die Donau nach Rumänien bei Russe wurde geschlossen. Die Hauptstadt Sofia versank bei minus neun Grad im Schnee.

In Rumänien sind in der Nacht auf Dienstag nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwei Menschen an der Kälte gestorben. In Ungarn gab es laut der Nachrichtenagentur MTI in den vergangenen 24 Stunden vier Kältetote. Auch in Litauen überlebten zwei Menschen den Frost in der Nacht nicht. Am Wochenende hatten die Temperaturen im Baltikum noch minus 30 Grad und weniger betragen.

Kältewelle erreichte Nordafrika
Indes hat die Kältewelle auch Nordafrika erreicht. In Algerien starben in den vergangenen Tagen 25 Menschen bei wetterbedingten Verkehrsunfällen oder infolge von Kohlenmonoxidvergiftungen. In Tunesien hat es erstmals seit Jahrzehnten heftig geschneit. Etliche Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten.