Wien.

Die Asche galt schon in der Antike als Zeichen der Vergänglichkeit, fand aber auch als Reinigungsmittel Verwendung.
Die Asche galt schon in der Antike als Zeichen der Vergänglichkeit, fand aber auch als Reinigungsmittel Verwendung.
"Memento homo, quia pulvis es, et in pulverem reverteris." Es sind Worte, die einen mehr als 1000 Jahre alten Geist atmen. Eigentlich handelt es sich um eine Erinnerung an die Endlichkeit des menschlichen Lebens, die gläubige Katholiken in aller Welt während der abendlichen Messfeiern am Aschermittwoch vom Priester mit auf den Weg bekommen.

Wobei die lateinische Formel, die bei der Spendung des Aschenkreuzes gesprochen wird, längst in der jeweiligen Landessprache vorgetragen wird: "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst." Für manche Ohren klingt diese Botschaft freilich antiquiert. Was aber nicht heißt, dass sie bei den Leuten nicht trotzdem ankommt, wie der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" betont. "Der Text erinnert an unsere Vergänglichkeit und daran, dass wir achtsam und wachsam sein und uns über uns selbst Gedanken machen sollen." Die 40-tägige Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt, sei daher eine gute Gelegenheit, um den eigenen Lebensstil zu hinterfragen, meint Zulehner.

Der Ascheritus, bei dem die Häupter der Gläubigen am ersten Tag der Fastenzeit mit Asche bestreut werden, wird in der Kirche seit 1091 praktiziert. Schon in der Antike galt die Asche als Zeichen für die Vergänglichkeit, fand aber auch in der Waschmittel- und Seifenherstellung Verwendung. Folglich ist die Asche bis heute Symbol der Trauer und der Reinigung.

Autofasten und Papst-SMS


Für die Katholiken ist der Aschermittwoch ein strenger "Fast- und Abstinenztag". Dass an dem Tag traditionell dennoch zum Heringschmaus geladen wird, ist der Kirche ein Dorn im Auge. Kritik an dieser Praxis übt auch Zulehner, warnt aber gleichzeitig davor, die Fastenzeit als Anlass zu nehmen, um eine lang geplante Hungerkur zu starten. Denn einsames Fasten, etwa in Form "einer privaten Übung", gehe am eigentlichen Sinn des Fastens vorbei, erläutert der Theologe. "Ich muss hier auch die Not des anderen sehen." Allerdings würde heute diese Sicht - das Gespür für Gerechtigkeit etwa - "vom Lärm des Lebens" überdröhnt". Was da hilft? Mehr "Lessness" statt Wellness. "Weniger ist mehr." Nur so könne der Mensch erst "leer werden und seinem Leben mehr Raum geben", meint er.

Wer zunächst klein anfangen möchte, kann zum Beispiel das alljährliche Angebot der Erzdiözese Wien nutzen und sich während der Fastenzeit per SMS jeden Tag mit besinnlichen Zitaten und Gedanken von Papst Benedikt XVI. versorgen lassen. Um den Dienst in Anspruch nehmen zu können, reicht die Versendung einer kurzen Anmelde-SMS mit dem Kennwort PAPST an die Mobilfunknummer 0664/6606651. Für Autofahrer gibt es wiederum das Angebot des Autofastens, wobei hier die Teilnehmer aufgefordert sind, in den kommenden 40 Tagen den eigenen Pkw möglichst wenig zu nutzen und stattdessen auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Rad umzusteigen. Im Vorjahr nahmen 9000 Personen an der Aktion, für die man sich unter www.autofasten.at anmelden kann, teil.

Aschermittwoch in Wien

(rel) Als Fixpunkt in der Fastenzeit gilt der traditionelle Fastenmarkt der Pfarre Hernals am Kalvarienberg, der um 10 Uhr eröffnet wird. Um 17 Uhr wird den Kindern das Aschenkreuz gespendet. Mit Chorälen von Johann Sebastian Bach begeht die Gemeinschaft "Opus Dei" in der Peterskirche den Aschermittwoch, Beginn ist um 17 Uhr. Um 18 Uhr spendet Kardinal Christoph Schönborn im Wiener Stephansdom den Gläubigen das Aschenkreuz, und die Gemeinde St. Ruprecht lädt um 19 Uhr zu einem ökumenischen Gottesdienst.