Wien. Offiziell will Shaker Assem nur das, was die katholische Kirche schon seit 2000 Jahren hat - einen "Stellvertreter Gottes" auf Erden. Was für die Katholiken das Papsttum ist, soll für die Muslime das Kalifat sein. Darüber, wie dieses "alternative Staatsmodell" für die durch die Revolution im arabischen Raum befreiten Länder aussehen könnte, wollte der Prediger und Sprecher von Hizb-ut-Tahrir (Partei der Befreiung) mit Mitgliedern im Rahmen der für 10. März in Vösendorf (NÖ) geplanten "Kalifatskonferenz" beraten.

Sofern man ihn lässt. Denn der Unmut innerhalb der österreichischen Bevölkerung - Christen wie Muslimen - ist groß, seit bekannt wurde, was auch sonst so im Programm der bereits in Deutschland verbotenen Partei steht: Die Forderung nach der Zerstörung Israels findet sich da genauso in den Statuten wie jene nach der Todesstrafe für Ehebrecher.

Schönborn interveniert

Shaker Assem steht dazu - und muss sich nun von FPÖ und Grünen den Vorwurf gefallen lassen, ein Hassprediger zu sein. Auf Distanz zu Hizb-ut-Tahrir gehen auch die österreichischen Muslime, darunter die Islamische Glaubensgemeinschaft sowie der türkisch-islamische Trägerverein "Atib".

Angesichts der heftigen Kritik nicht ganz wohl in der Haut fühlt sich auch die katholische Kirche. So hat Kardinal Christoph Schönborn dem Prediger am Freitag die Leitung des Freitagsgebets im afro-asiatischen Institut (AAI), das im Besitz der Erzdiözese seht, untersagt. Er wolle sich als Protektor "Klarheit über die Situation verschaffen, auch wenn die staatlichen Behörden bisher keinen Anstoß an Assem genommen haben und dieser nicht als Hassprediger gilt", betonte der Erzbischof.

Im Gegensatz zu Deutschland und zahlreichen islamischen Staaten ist Hizb-ut-Tahrir bis heute in Österreich nicht verboten. Grund: Assem predige keine Gewalt, sondern wolle mit friedlichen Mitteln überzeugen. Das sieht auch Nikolaus Heger vom AAI so: "Der Verfassungsschutz hat uns nicht gesagt, dass wir ihn rausschmeißen sollen." Assem sei ein "guter Dialogpartner", auch wenn man sich sonst von seinen Ideen distanziere, so Heger. Ob die nicht-öffentliche Konferenz stattfinden darf, wird von den Behörden geprüft.