Wien/Salzburg/St. Pölten. Jemanden über die Social-Network-Plattform online zum Geburtstag zu gratulieren, kann für notorisch Vergessliche sehr praktisch sein. Zumal einem ja das System automatisch auf den Freudentag des Freundes aufmerksam macht. Jene aber, die am Schalttag geboren sind, werden heuer möglicherweise vom Computer übersehen werden. Wobei es spätestens hier zu einer Trennung von Spreu und Weizen kommt: Wer wirklich am 29. Februar an den Geburtstag eines anderen denkt, der ruft an.

Am heurigen Schalttag auf einen möglichen Anruf hoffen werden insgesamt 5574 Österreicher. Eine davon ist die Wienerin Claudia B. Gesellschaftlich benachteiligt fühle sie sich wegen ihres Geburtsdatums nicht, vielmehr mache sie der zu etwas Besonderem, etwas Speziellem, wie sie erzählt. "Ich staune immer aufs Neue, wie viele Leute mich an meinem Geburtstag anrufen", sagt sie. Manche würden sich am 28. Februar, andere am 1. März und gar nicht so wenige sogar an beiden Tagen melden. Und: "In einem Schaltjahr hört das Telefon gleich überhaupt nicht zu klingeln auf, dann wird drei Tage gefeiert", meint die Mitt-40erin.

Etwas zu feiern haben die Mütter jener Babys, die am heutigen Schalttag in Österreich das Licht der Welt erblicken werden. Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, an einem 29. Februar geboren zu werden, sehr gering. So wurden etwa vor vier Jahren 189 und 2004 gar nur 168 Schalttagskinder entbunden. Normalerweise liegt der Durchschnitt in Österreich bei rund 225 Neugeborenen täglich. Dass es im Monat Februar (mit 213 Geburten) um zehn Prozent weniger Babys pro Tag gibt als etwa im September (231) mag daran liegen, dass die Kühle und nicht etwa die Frühlingsgefühle für Nachwuchs sorgen.

Cäsar führte Schalttag ein

Eine, die es sich damals bei der Geburt ihrer ersten Tochter 1980 - also einem Schaltjahr -, aussuchen konnte, ist Maria F. aus Niederösterreich. "Eigentlich hätte ja die Sigrid schon am 14. Februar kommen sollen, aber sie hat sich noch zwei Wochen Zeit gelassen", sagt die Mutter im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Als sie von den Ärzten vor die Wahl gestellt wurde, ob das Kind noch am 29. Februar oder am 1. März "geholt" werden sollte, entschied sie sich für den Märztermin. Warum? "Jemand in meiner Verwandtschaft ist am Schalttag geboren und das hatte ich nicht so positiv in Erinnerung", gesteht die Niederösterreicherin. "Das wollte ich meinem Kind nicht antun." Immerhin sei es gerade für Kinder nicht so lustig, nur einmal alle vier Jahre ihren Geburtstag zu feiern. Auch wenn Sigrid im Nachhinein auch gern am Schalttag auf die Welt gekommen wäre, wie sie betont.

Zu den wenigen Prominenten, die am 29. Februar Geburtstag haben, zählen das Oberhaupt der orthodoxen Kirche, Patriarch Bartholomaios I. (geboren 1940), und der im Jahr 1792 geborene italienische Opernkomponist Gioacchino Rossini.

Die Einführung des Schalttages reicht allerdings noch viel weiter zurück, genau genommen bis in die Antike. Damals ließ der römische Staatsmann Julius Cäsar am Ende des Jahres, also im Februar, alle vier Jahre einen zusätzlichen Tag in den Kalender einfügen, um so die Differenz zwischen dem berechneten Kalenderjahr (365 Tage) und dem astronomischen Sonnenjahr (365,2422 Tage) zu kompensieren. Um letzte Unstimmigkeiten im julianischen Kalender zu lösen, führte Papst Gregor XIII. 1582 jeweils einen zusätzlichen Schalttag alle 400 Jahre ein. Eine Regel, die bis heute Gültigkeit besitzt und zuletzt im Jahr 2000 angewandt wurde.