Siders. Nach dem tragischen Busunglück in der Schweiz mit 28 Todesopfern laufen die Ermittlungen zur Unfallursache auf Hochtouren. Eine Norm, die rechtwinklige Mauern für Pannenbuchten vorsieht, müsse möglicherweise geändert werden, erklärte ein Sprecher des Schweizer Straßen-Bundesamtes am Donnerstag. Eine belgische Zeitung berichtete unter Berufung auf überlebende Schüler, der Busfahrer habe zum Unfallzeitpunkt eine DVD wechseln wollen.

Angesichts des Unfalls sei "nicht ausgeschlossen, dass etwas neu diskutiert oder geändert wird", sagte Straßen-Bundesamtssprecher Antonello Laveglia. Der Schweizer "Tages-Anzeiger" kritisierte, nur durch die Form der Pannenbucht sei es möglich gewesen, dass der Bus frontal gegen die Mauer prallte. Der Nationalrat des Kantons Wallis, Oskar Freysinger, schloss ebenfalls nicht aus, "dass bei diesen Ausweichstellen die Mauern anders gebaut werden müssen".

Die flämische Boulevardzeitung "Het Laatste Nieuws" berichtete auf ihrer Website, mehrere der verletzten Kinder hätten ihren Eltern und dem Krankenhauspersonal erzählt, dass der Fahrer kurz vor dem Unfall eine DVD einlegen wollte, die ihm ein Lehrer gebracht habe. "Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit" könne damit die Unfallursache sein. Zugleich schrieb die Zeitung, der Schweizer Polizeisprecher Renato Kalbermatten habe diese Version des Unglückshergangs vorläufig als Spekulation bezeichnet, die durch die ausgewerteten Videoaufzeichnungen im Tunnel nicht belegt sei.

Alle Todesopfer identifiziert
Indes sind alle Todesopfer identifiziert worden. Das gab die Polizei des Kantons Wallis am Donnerstagabend bekannt. Zur Identifizierung der Toten trugen maßgeblich Eltern und andere Angehörige bei, die mit einem belgischen Militärflugzeug in die Schweiz gebracht worden waren.

Sechs der bei dem Unfall am Dienstagabend getöteten Schüler hatten die niederländische Staatsbürgerschaft. Das teilte das Außenministerium in Den Haag mit.

Staatstrauer
Für Freitag wurde in Belgien Staatstrauer ausgerufen. Um 11 Uhr sollte in allen Schulen und öffentlichen Institutionen und falls gewünscht auch in privaten Unternehmen eine Schweigeminute eingelegt werden, sagte Innenministerin Joelle Milquet. Die Fahnen würden am Freitag und Samstag auf Halbmast gesetzt. Die Bischofskonferenz des Königreiches regte alle katholischen Kirchen an, nach der Schweigeminute die Glocken zu läuten. Auch in den Niederlanden wird am Freitag getrauert. Ministerpräsident Mark Rutte ordnete an, dass Flaggen auf offiziellen Gebäuden auf Halbmast gesetzt werden.

Bei dem Unfall am Dienstagabend waren 28 Menschen getötet worden, darunter 22 Schulkinder. 24 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, drei Kinder schwebten am Donnerstag noch in Lebensgefahr. Die Schüler zweier belgischer Schulen waren auf dem Rückweg von einem Skiurlaub in der Schweiz, als ihr Bus in dem Tunnel nach rechts von der Fahrbahn abkam, gegen einen Randstein fuhr und frontal gegen die Betonmauer einer Nothaltebucht prallte.