Innsbruck. Ein 51-jähriger Polizist soll den Mord an einer Tiroler Bankerin verübt haben. Das bestätigten Ermittler am Dienstagnachmittag in Innsbruck. Der Verdächtige soll 25 Jahre lang unauffällig im Polizeidienst tätig gewesen sein und unter anderem eine Spezialausbildung zum Entschärfen von Sprengmitteln haben - er wurde von Kollegen festgenommen.

Der mutmaßliche Täter dürfte es auf einen im Auto des Opfers Erika Hechenleitner mitgeführten acht Kilogramm schweren Goldbarren im Wert von 333.000 Euro abgesehen gehabt haben. Die Frau sei "einem kaltblütigen Verbrechen" zum Opfer gefallen, betonte die Leiterin der Staatsanwaltschaft, Brigitte Loderbauer.

Die Leiche der 49-jährigen Filialleiterin war am Freitag in einem weißen Fahrzeug gefunden worden. Das Auto war auf einer Gemeindestraße in Hechenleitners Heimatgemeinde Wiesing (Bezirk Schwaz) abgestellt.

Vor der Einvernahme des verdächtigen Polizisten spielten sich dramatische Szenen ab: Im Landespolizeikommando Tirol kam es zu einem Gerangel, bei dem ein Polizist seine Dienstwaffe verlor. Der 51-jährige Verdächtige konnte sich die Glock schnappen und versuchte abzudrücken. Dabei löste sich laut Staatsanwältin Loderbauer allerdings kein Schuss. Nun werde zusätzlich wegen Mordversuchs ermittelt, hieß es in einer eilig einberufenen Pressekonferenz.

Kurze Flucht nach Gerangel

Der Mann konnte schließlich im Zuge der Tumulte über den Innenhof bis auf die Straße flüchten. Dort wurde er dann allerdings wieder festgenommen.

Das Verbrechen soll laut Christoph Hundertpfund, Leiter der Ermittlungen, von langer Hand minutiös geplant worden sein. Der Verdächtige habe ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und dieses ausgenützt. Zwischen Opfer und mutmaßlichem Täter habe es einen intensiven SMS-Verkehr gegeben - "mehrere Wochen" hätten sich die beiden gekannt, erklärten die Ermittler. Für diesen Kontakt habe sich der Polizeibeamte unmittelbar vor der Tat ein Wertkartenhandy besorgt. Auf seine Spur kamen die Ermittler durch einen Fund im Fahrzeug.

Für Rätselraten sorgt weiterhin der Umstand, dass die Filialleiterin den Verkauf des Goldbarrens im Wert von 333.000 Euro außerhalb der Geschäftsräume der Bank abwickeln wollte.

Mit Chloroform betäubt

Die Frau wurde offenbar mit Chloroform betäubt, das auf eine im Fahrzeug sichergestellte Stoffwindel aufgetragen worden war. Im Fahrzeug fanden die Ermittler auch Spuren eines Brandbeschleunigers und ein Feuerzeug, das nicht dem Opfer zuzuordnen sei. Die Frau sei angegurtet worden. Anschließend habe der Täter eine Signalfackel angezündet. Durch mangelnden Sauerstoff sei es dann zwar nicht zum Brand gekommen, das Opfer sei aber am Kohlenmonoxid erstickt.