Wien. Sie ist 120 Meter hoch, 450 Meter breit und stößt auf strikte Ablehnung aller großen Umweltschutzorganisationen Österreichs: die geplante Staumauer des Kraftwerks Kaunertal in Tirol. Gegen das als "Monsterprojekt" bezeichnete Bauvorhaben der Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) laufen nun WWF, Global 2000, Greenpeace und Ökobüro gemeinsam Sturm. Die drohende Zerstörung bisher unberührter hochalpiner Urlandschaften sei ein "Hainburg des 21. Jahrhunderts", das es "mit allen gewaltfreien Mitteln" zu verhindern gelte.

Die Kraftwerkspläne hätten für einen "Aufschrei in der gesamten heimischen Umweltszene" gesorgt, betonte WWF-Geschäftsführerin Hildegard Aichberger am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. Es handle sich "um eine einzigartige Situation, leider nicht im positiven Sinne". Man befürworte zwar grundsätzlich die Abkehr von fossilen Brennstoffen und trete für den Ausbau erneuerbarer Energien ein - "aber doch nicht so". Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) dürfe die "Skandal-Pläne" der TIWAG keinesfalls annehmen.

Eine Staumauer für 42 Milliarden Liter Wasser und 50 Kilometer lange Druckstollen mit einem Durchmesser von sechs Metern würden ökologische Schäden ungeahnten Ausmaßes verursachen, behaupten die Umweltschutz-NGOs. Für den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal südlich von Landeck sollen demnach vier Wildflüsse und -bäche über Rohr- und Stollensysteme in einen bestehenden Speicher umgeleitet sowie ein riesiger neuer Speichersee im Platzertal errichtet werden.

Der Kaunertal-Ausbau sei aber lediglich Teil eines umfassenden Plans der TIWAG, in Tirol fünf neue Großkraftwerke zu errichten bzw. auszubauen. Der entsprechende "Wasserwirtschaftliche Rahmenplan" sei bereits im Dezember 2011 beim Umweltminister zur Genehmigung eingereicht worden.

Wie ernst es den Umweltschützern ist, bekräftigte Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit. Man wolle Widerstand gegen das Bauprojekt "zusammen und bis zur letzten Konsequenz" leisten. "Wir werden jeden gewaltfreien Weg beschreiten, um das zu verhindern." Derzeit steige der Stromverbrauch jährlich um etwa 1,3 Terawattstunden (TWh). Die Energiegesellschaften streben bis 2020 einen Wasserkraftausbau von sieben TWh an, aber aus Sicht der Umweltorganisationen beschränkt sich das ökologisch vertretbare Ausbaupotenzial auf maximal vier TWh. Egit: 'Das Kraftwerk Kaunertal würde die Verbrauchszunahme von nur wenigen Jahren decken.'"