Jagen ist Natur erleben, zumindest für Georg Brandl. Obwohl auch er zugibt, gern Trophäen zu sammeln.
Jagen ist Natur erleben, zumindest für Georg Brandl. Obwohl auch er zugibt, gern Trophäen zu sammeln.

"Wiener Zeitung": Die Jagd ist in den Verruf geraten, Politik und Unternehmertum zu verzahnen. Welche Rolle spielt der Jäger Ihrer Ansicht nach in der Gesellschaft?

Georg Brandl: In Wahrheit hat er überhaupt nichts mit Elite zu tun. Ich bin seit Jahrzehnten Jäger und habe viele einfache Angestellte kennengelernt, die jagen gehen. Ansässige Bauern gründen Jagdgesellschaften, um Hasen oder Fasane zu jagen. Es geht nicht immer um die 16-Ender. Die Elite macht nur einen Bruchteil der echten Jäger aus. Die, die sagen "Wir gehen jagen, weil wir uns das leisten können", sind gar keine Jäger, mit denen identifiziere ich mich nicht. Bei denen geht es nur ums Schießen und nachher ins Wirtshaus.

Aber Jagen ist doch tatsächlich nicht billig . . .

Ja, es ist teuer. Oft aber sind die Revierbesitzer die Jäger, und dann entfallen die Kosten. Wer fürs Jagen zahlen muss, zahlt viel. In Rekawinkel in Niederösterreich etwa, wo ich Jagdaufseher war, kosten 180 Hektar pro Jahr 14.000 Euro - das muss man erst einmal verdienen. Und falls man eine knorrige, dicke Trophäe nach Hause nehmen will, zahlt man noch einmal. Ein guter, alter Hirsch, der zehn Jahre oder älter ist, kostet um die 30.000 Euro. Das ist nur etwas für die Reichen.

Wenn nicht um knorrige, dicke
Trophäen - worum geht es Ihnen dann bei der Jagd?

Jagen ist nicht nur das Sammeln von Trophäen allein. Jagen ist Natur erleben. Und es ist notwendig, um das Gleichgewicht der Natur zu halten. So wie der Bauer sät und erntet, muss der Jäger hegen und entnehmen. Aber wie viel er wovon schießen darf, das ist genau festgelegt. Denn was glauben Sie, was los wäre, wenn es zu viel Wild gäbe? Dann würden sich die Bauern beschweren, dass ihnen die Tiere die Karotten wegfressen - ganz zu schweigen von Baum- und Waldschäden. Erinnern Sie sich nur, welcher Aufstand in Wien-Döbling herrschte, als dort die Wildschweine in die Gärten kamen. Erst jetzt, wo sie erlegt werden dürfen, hat sich die Situation beruhigt.

Ist das Sammeln von Trophäen für den echten Jäger, wie Sie ihn nennen, gar nicht wichtig?

Natürlich geh’ ich auch gern auf Trophäenjagd, und auch das Essen danach gehört dazu. Aber ich esse zum Beispiel das meiste, das ich schieße, selbst.

Tragen Sie, wenn Sie auf die Jagd gehen, das typische Jägergewand? Manch einer behauptet, dass das eine elitäre Kleidung darstelle, mit der einst der Adel den besonderen Anlass der Jagd würdigte.

Das ist unsere Berufskleidung, Jäger sind ja "die grüne Gilde". Ursprünglich sollte sie der Tarnung dienen, mittlerweile weiß man aber, dass das Wild nur schwarz-weiß sieht. Wir könnten also auch knallrot gekleidet sein - was sogar besser wäre, um von Kollegen nicht für Wild gehalten zu werden.