Mistelbach. Rund um den Pfarrer der Weinviertler Gemeinde Stützenhofen (Bezirk Mistelbach), der einen bekennenden Homosexuellen als Pfarrgemeinderat abgelehnt hatte, gibt es neue Aufregung. Der Geistliche Gerhard Swierzek soll einen Redakteur der "Bezirksblätter" am Mittwochabend wegen dessen Berichterstattung in seinem Privathaus aufgesucht und bedroht haben. Der Pfarrer war für eine Stellungnahme am Donnerstag für die APA nicht erreichbar.

Grund für die Verärgerung Swierzeks soll ein Bericht der "Bezirksblätter" gewesen sein, in dem der Redakteur Ewald Schingerling den Pfarrer für Stützenhofen - unter Anführungszeichen - als "beurlaubt" bezeichnet hatte, was im Ort so verbreitet worden sei und weil die Sonntagsmesse dort von einem anderen Geistlichen abgehalten wurde, erklärte Schingerling am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Der Pfarrer habe deswegen lautstark geschimpft, mit einer Klage gedroht und erst nach mehrfachen - erfolglosen - Aufforderungen zu gehen von Schingerling und dessen Partner aus dem Haus gedrängt werden können.

Schon bei der Erstrecherche für die Geschichte sei es zu einer kleinen Auseinandersetzung mit dem Geistlichen gekommen, weil dieser den Artikel vor der Veröffentlichung lesen wollte, was der Redakteur verweigerte. Damit, dass der Pfarrer ihn in seinem Wohnhaus (in der Nachbarortschaft von Stützenhofen, Anm.) besucht und wegen eines Berichts bedroht habe, habe er nun eine Grenze überschritten, so Schingerling. "So wie er aufgetreten ist, habe ich mich im ersten Moment schon bedroht gefühlt", betonte er. Deswegen habe er sich nun in einem offenen Brief an Kardinal Christoph Schönborn gewandt und ihm von dem Vorfall berichtet. Der Kardinal solle dafür sorgen, dass Swierzek ihn nicht erneut aufsuche, sonst werde er ihn "mit Sicherheit" wegen Hausfriedensbruch klagen, kündigte der Journalist an.

Generalvikar wird mit Geistlichem reden
Generalvikar Nikolaus Krasa von der Erzdiözese Wien will mit dem Pfarrer ein persönliches Gespräch führen. Er werde dem Geistlichen klarmachen, dass er die Privatsphäre des Redakteurs der "Bezirksblätter" "unbedingt zu respektieren" habe, sagte Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese.

Swierzek sei nicht "beurlaubt" gewesen, der Pfarrer nicht abgezogen worden, sondern lediglich im Ausland gewesen.