Italienische Polizeikräfte riegeln das Gelände ab. - © APAweb/EPA/Emiliano Crespi
Italienische Polizeikräfte riegeln das Gelände ab. - © APAweb/EPA/Emiliano Crespi

Neapel. Findige Fahnder haben gleich zwei führende Mafiosi auf ungewöhnlichen Wegen geschnappt. Bei Neapel stellten sie einen seit etwa eineinhalb Jahren gesuchten Boss der Camorra mit Hilfe einer Fernbedienung. Auf dem Flughafen von Bangkok in Thailand ließen sie einen noch größeren Fisch, einen Schatzmeister der sizilianischen Cosa Nostra, abführen. Ihm kamen die Ermittler über Einträge beim sozialen Netzwerk Facebook auf die Spur, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Die Anti-Mafia-Staatsanwälte nennen den in Bangkok geschnappten Vito Roberto Palazzolo (64) "einen der größten Geldwäscher der Cosa Nostra". Seit drei Jahrzehnten soll der rechtskräftig zu neun Jahren Haft verurteilte Mann aus der Nähe von Palermo die Heimat nicht mehr gesehen haben. Vor fast 20 Jahren tauchte der mutmaßliche Finanzchef von Cosa-Nostra-Größen wie Toto Riina und Bernardo Provenzano dann mit neuem Namen in Südafrika unter. Von dort aus stemmte er sich mit allen juristischen Mitteln dagegen, an Rom ausgeliefert zu werden. "Es entehrt mich sehr, der Schatzmeister von Riina und Provenzano genannt zu werden, der beiden größten Kriminellen Italiens", sagte der schwerreiche Sizilianer einmal in einem Ansa-Interview.

Verräterische Facebook-Einträge
Vor etwa 25 Jahren bereits im Zusammenhang mit der "Pizza Connection" um internationalen Drogenhandel und Geldwäsche zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, floh Palazzolo erst, musste die Strafe dann aber doch absitzen. Danach kehrte er nach Südafrika zurück. Dort soll er zwei gesuchten sizilianischen Mafia-Größen Unterschlupf gewährt und vor allem weiterhin die Finanzgeschäfte der Bosse geführt haben.

Thailands Polizei habe den von Interpol gesuchten Palazzolo auf dem Flughafen festgenommen, als er das Land verlassen wollte, hieß es. Unter anderem führten Facebook-Einträge zu ihm. Sein Anwalt in Palermo will eine Auslieferung Palazzolos noch verhindern.

Mit Fernbedienung ins Hinterzimmer
Besonders geschickt waren die Mafia-Jäger im Fall des Camorra-Bosses. Beim Durchsuchen seiner Luxusvilla in Marano bei Neapel waren sie sicher, dass der unauffindbare Antonio Cardillo (34) im Haus war und gerade noch im Ehebett gelegen hatte.

Als die Carabinieri dann eine zu keinem elektronischen Gerät gehörende Fernbedienung überall ausprobierten, öffnete sich plötzlich ein Spiegel in einem Kasten in der Nähe des Schlafzimmers - dahinter befand sich das Versteck des gesuchten Bosses vom Lo-Russo-Clan. Er wurde festgenommen. Ihm werden Zugehörigkeit zu einer Mafia-Organisation und Erpressung vorgeworfen.