Moskau.

Der Brand in dem Baustellen-Container kostete 17 Gastarbeitern das Leben. - © APAweb/Maxim Dmitrijew/AP
Der Brand in dem Baustellen-Container kostete 17 Gastarbeitern das Leben. - © APAweb/Maxim Dmitrijew/AP
Bei einem Brand in einer Markthalle in Moskau sind am Dienstag mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen. Bei den Toten handelte es sich nach Behördenangaben um Arbeiter aus einer ehemaligen Sowjetrepublik. Aus Ermittlungskreisen verlautete, dass sie zusammengepfercht in einem Lagergebäude der Markthalle lebten und keinen direkten Zugang zur Außenwelt hatten.

Die Opfer seien in der Nacht von dem Feuer überrascht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Ermittlungskreise. Das Feuer brach demnach auf dem Kantschalowski-Markt am südlichen Stadtrand von Moskau aus und konnte erst nach zwei Stunden gelöscht werden. Durch den Brand wurde eine Fläche von 50 Quadratmetern zerstört.

Die Opfer schliefen den Angaben zufolge in einem Lagergebäude des auf Baumaterialien spezialisierten Marktes und hatten keinen direkten Zugang zur Straße. "Sie schliefen in schrecklicher Enge auf aufeinandergestapelten Brettern", hieß es aus Ermittlungskreisen. Dem Zustand der Leichen nach zu urteilen, versuchten einige der Opfer zu fliehen, starben aber an Rauchgasvergiftungen. Um den Schlafraum zu erreichen, musste die Feuerwehr die Metallwände des Gebäudes aufschneiden.

Die Nachrichtenagentur ITAR-TASS zitierte eine den Ermittlungen nahestehende Quelle, wonach das Feuer durch ein elektrisches Heizgerät ausgelöst worden sein könnte. Die Arbeiter hätten dieses vermutlich die ganze Nacht über eingeschaltet gelassen, um sich in den kalten Nächten warm zu halten, in denen die Temperaturen in Moskau um diese Jahreszeit noch unter den Gefrierpunkt sinken können.

Katastrophenschutzminister verurteilte Lebensbedingungen
Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu verurteilte die Lebensbedingungen der Arbeiter und forderte eine Erklärung für die Art der Unterbringung. "Dies wird zur Tradition - Menschen, die auf Märkten leben", sagte Schoigu in einem Fernsehinterview. Der Nachrichtenagentur Interfax sagte er, der Ort sei "offensichtlich nicht dafür geeignet, um dort zu leben".

Unbestätigten Medienberichten zufolge stammten die Arbeiter aus der verarmten ehemaligen Sojwetrepublik Tadschikistan in Zentralasien. Auf vielen Moskauer Märkten und Baustellen arbeiten billige Arbeitskräfte aus armen zentralasiatischen Ländern. Oftmals werden sie weder bezahlt, noch werden ihnen angemessene Wohnungen zur Verfügung gestellt.

In Russland kommen immer wieder ausländische Arbeiter bei Bränden ums Leben. Erst im Mai 2011 waren bei einem Feuer in einem verlassenen Gebäude sieben Arbeiter getötet worden. Im Jänner 2009 starben bei einem Brand auf einer Tiefgaragenbaustelle sieben Arbeiter aus Zentralasien, die auf der Baustelle lebten.

Am Montagabend gab es zudem einen weiteren Brand in Moskau, bei dem jedoch niemand verletzt wurde. Nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums brach das Feuer in der 66. und 67. Etage eines im Bau befindlichen Wolkenkratzers aus. Offenbar fing eine Plastikplane nach Berührung mit einem Scheinwerfer Feuer. Bei dem Gebäude handelt es sich den Angaben zufolge um den Turm der Russischen Föderation, der nach Fertigstellung das höchste Gebäude Europas sein soll.