Rom. In Palermo ist kein Ende der Müllkrise in Sicht. In der Nacht auf Dienstag musste die Feuerwehr 50 Mal ausrücken, um den von erbosten Bürgern tonnenweise angezündeten Müll zu löschen, der sich seit Tagen auf den Straßen anhäuft. Die kritische Lage ist die Folge eines viertägigen Streiks der Bediensteten des städtischen Entsorgungsunternehmens Amia. Sie fürchten um ihre Gehälter, weil die Gemeinde Palermo den Vertrag mit dem Unternehmen bald auflösen könnte. Die Staatsanwaltschaft von Palermo hat Ermittlungen gegen 100 Personen in die Wege geleitet. Sie sollen arbeitswillige Kollegen gezwungen haben, sich dem wilden Streik anzuschließen.

Die italienische Ärztekammer warnte angesichts der bereits hohen Temperaturen vor einer Epidemie. Die Ärzte appellierten an die Palermitaner, nicht die Müllhaufen in Brand zu setzen, weil der Rauch giftiges Dioxin enthalte. In der ganzen Stadt gebe es brennende Müllhaufen, der Unrat liege in fast jedem Viertel auf der Straße.

Aus Protest gegen die übelriechenden Abfallberge kippten aufgebrachte Bürger einige Müllcontainer auf die Straße und blockierten somit mehrere Stunden lang den Verkehr. Die Lage sei vor allem in den Außenbezirken der Stadt kritisch, berichteten lokale Medien. Die Gemeinde Palermos appellierte an die Einwohner, den Protesten ein Ende zu setzen. Man müsse den Mist von den Straßen so rasch wie möglich entfernen, die öffentliche Gesundheit sei auf dem Spiel.

Es ist nicht das erste Mal, dass auch Palermo ein Müllproblem hat. Schon in den vergangenen Jahren war die sizilianische Stadt immer wieder von Problemen mit der Müllentsorgung belastet worden. Auch die Bewohner Neapels und der umliegenden Region Kampanien klagen seit Jahren über die ungenügende Entsorgung ihrer Abfälle. Die Stadt bekommt ihr Müllproblem nicht in den Griff, Deponien und Wiederaufbereitungsanlagen sind überlastet. Zudem wehren sich zahlreiche Anrainer gegen die weitere Nutzung oder Vergrößerung der überfüllten Deponien.