Istanbul. Prinzessin Neslisah Sultan, Enkelin des letzten türkischen Sultans Mehmed VI. Vahideddin (1861-1926) und ältestes Mitglied des ehemaligen osmanischen Kaiserhauses, ist am Montag im Alter von 91 Jahren in Istanbul an Herzstillstand verstorben. Die Enkelin des 1922 entthronten und von einem britischen Kriegsschiff außer Landes gebrachten Sultans, die 1940 den ägyptischen Prinzen Abdel Moneim geheiratet hatte, sollte nach türkischen Medienberichten am Dienstag auf einem Friedhof bei Istanbul beigesetzt werden.

Mehmed VI. hatte 1918 nach dem Tod seines Halbbruders Mehmed V. den Thron bestiegen. Kurz darauf brach das im Ersten Weltkrieg mit Deutschland und Österreich-Ungarn verbündete Osmanische Reich zusammen. Der letzte Sultan starb im Exil in San Remo an der italienischen Riviera, sein Leichnam wurde in der Sultan-Selim-Moschee in Damaskus beigesetzt. Die republikanische Regierung der Türkei verwies alle Mitglieder der kaiserlichen Familie des Landes, Neslisah Sultan war damals drei Jahre alt. Erst in den 1950er Jahren durften die weiblichen und ab 1974 die männlichen Familienmitglieder in die Türkei zurückkehren.

1940 heiratete Neslisah den Sohn des letzten osmanischen Khediven (Vizekönigs) von Ägypten (1892-1914), Abbas Hilmi II., Prinz Mohammed Abdel Moneim. Nach der Abschaffung der Monarchie in Ägypten 1952 musste Neslisah ein zweites Mal ins Exil. Sie lebte eine Zeitlang in Europa, bevor sie sich endgültig in der Türkei niederließ. Zu Abbas Hilmis Frauen gehörte auch die ungarische Gräfin May Török (1877-1968), genannt Djavidan Hanum, die Erinnerungen über ihre Zeit im Harem veröffentlichte.