Auf dieses Vergnügen müssen die Briten heuer noch eine Weile warten. - © APAweb / dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Auf dieses Vergnügen müssen die Briten heuer noch eine Weile warten. - © APAweb / dpa / Karl-Josef Hildenbrand

Europa stöhnt unter einer Dürreperiode. In Großbritannien wurden für die sonst eher mit Regen überhäufte Insel vergleichsweise drastische Notmaßnahmen ergriffen: Wegen andauernder Trockenheit verbieten sieben Wasserversorger im Süden und Osten Großbritanniens bis auf weiteres das Benutzen von Gartenschläuchen. Das Wässern des sprichwörtlichen englischen Rasens sowie das Gießen von Blumenbeeten ist nur noch mit der Gießkanne möglich.

Auch Sprinkleranlagen und das Autowaschen mit dem Schlauch sind verboten. Der "hosepipe-ban" (Gartenschlauch-Verbot) trat am Donnerstag in Kraft. Er gilt für ein Gebiet, in dem etwa 20 Millionen Briten wohnen. Die Wasserversorger riefen gleichzeitig dazu auf, dass Nachbarn, die gegen das Verbot verstoßen, gemeldet werden sollen. Ihnen droht dann ein Bußgeld von 1.000 Pfund (rund 1.200 Euro).

Im eigentlich häufig verregneten Großbritannien haben ein trockener Winter und ein warmer Vorfrühling die Wasserreserven teilweise versiegen lassen. Der Grundwasserspiegel sei so niedrig wie seit 1976 nicht mehr. Zwei Drittel der britischen Flüsse und Seen wiesen extrem niedrige Pegelstände auf, einige seien komplett ausgetrocknet.

Kräftiger Regen am Mittwoch konnte daran zunächst kaum etwas ändern. "Zwei trockene Winter in Folge haben dafür gesorgt, dass sich die Reservoirs nicht wieder füllen konnten", sagt Peter Simpson vom Wasserversorger Anglian Water. Das Gartenschlauch-Verbot soll nun den Wasserverbrauch um bis zu zehn Prozent senken. Kritiker machen geltend, dass der Hauptgrund für die Wasserknappheit das marode Leitungssystem der Versorger sei. Nach einer Untersuchung der staatlichen Aufsichtsbehörde Ofwat verliert etwa die Londoner Gesellschaft Thames Water bis zu 26 Prozent des Trinkwassers durch Lecks in Leitungen.

Große Trockenheit in Spanien und Portugal

Auch im Osten Österreichs mangelt es an Feuchtigkeit, wie Satellitendaten der Technischen Universität (TU) vor kurzem bestätigten. Aufgrund des ausbleibenden Regens sind die heimischen Wälder teilweise bereits dermaßen ausgedörrt, dass die Gefahr von Wald- und Flurbränden kontinuierlich steigt.
In Europa sind vor allem die Böden in Südeuropa für die Jahreszeit viel zu trocken. Wie EUMETSAT berichtet, ist die Situation in Spanien und Portugal geradezu dramatisch. Beide Staaten haben die Europäische Union bereits gebeten, Hilfe für die heimischen Bauern in Erwägung zu ziehen.

Bericht von EUMETSAT

Die Dürre ruft auch die Kirche auf den Plan: Wegen der anhaltenden Trockenheit in Italien hat der Erzbischof von Florenz, Kardinal Giuseppe Betori, die Gläubigen aufgerufen, für Regen zu beten. In einem Brief an die Priester der Diözese appellierte Betori, Gebetswachen gegen die Wasserknappheit zu organisieren. "Wir müssen alle für das Geschenk des Regens beten", sagte Betori. Er appellierte an die Katholiken, gegen einen verschwenderischen Lebensstil im Umgang mit Wasser einzutreten. Öffentliche Autoritäten, Gesellschaft und Unternehmen müssten verantwortlicher, sparsamer und solidarischer mit Wasser umgehen.

Nach Angaben des Landwirtschaftsverbands Coldiretti  fiel im März in Italien 30 Prozent weniger Regen als in den vergangenen Jahren. In Bozen blühten die Apfelbäume vier Wochen früher als üblich. Getreide- und Maisfelder in der Region Veneto seien gefährdet, Sorgen um die Getreideproduktion macht man sich auch in der Toskana.

Der Wasserpegel des Po ist derzeit mehr als 6 Meter unter dem Normalstand. Der Pegel großer norditalienischer See, wie der Comer See, der Garda-See und der Lago Maggiore ist 30 Zentimeter unter dem Durchschnitt. Wetterexperten befürchten einen Sommer mit Rekordtemperaturen in Italien.