Wien/Innsbruck. Formell weiß Gerhard Swierzek, Pfarrer der Gemeinde Stützenhofen in Niederösterreich, das Recht auf seiner Seite. So heißt es unter Paragraf IV.1 der Pfarrgemeinderatsordnung: "Mitglied des Pfarrgemeinderates können nur Katholiken sein, die sich zur Glaubenslehre und Ordnung der Kirche bekennen." Aktive Homosexuelle zählen nicht dazu. Vor allem, wenn sie entgegen den Empfehlungen des Katechismus nicht in Keuschheit, sondern in einer Partnerschaft leben.

Die Pfarre Stützenhofen zählt nur 108 Gläubige. - © APA/GEORG HOCHMUTH
Die Pfarre Stützenhofen zählt nur 108 Gläubige. - © APA/GEORG HOCHMUTH

Dass der homosexuelle Kandidat Florian Stangl - mit bischöflicher Billigung - nun doch in den Pfarrgemeinderat von Stützenhofen einziehen wird, passt Pfarrer Swierzek nicht - er hat deswegen am Osterwochenende Kardinal Christoph Schönborn um ein persönliches Gespräch und um seine Abberufung aus Stützenhofen gebeten. In der Erzdiözese Wien gibt man sich ob des Ansuchens gelassen. "Der Verzicht eines Seelsorgers auf eine Pfarre ist nichts Außergewöhnliches", erklärte Schönborn-Sprecher Michael Prüller am Dienstag. Das komme immer wieder vor. Aus Gesundheitsgründen oder auch aufgrund von Überforderung.

Kirchenrechtlich gedeckt


Ob die Anwesenheit eines Homosexuellen im Pfarrgemeinderat eine "Überforderung" darstellt, darüber muss Schönborn, der derzeit in Israel weilt, noch entscheiden. Laut Prüller sei ein Gespräch mit Swierzek aber frühestens kommende Woche möglich. Dass der Bischof den Pfarrer ziehen lassen wird, wird aber bezweifelt, zumal Schönborn erst vor wenigen Wochen Stangls Wahl bestätigt und damit Swierzeks Verdikt, den 26-Jährigen aufgrund seiner sexuellen Orientierung nicht als Pfarrgemeinderat zuzulassen, aufgehoben hatte. Der Kardinal begründete seine Entscheidung damit, dass ihn der Mann mit "seiner gläubiger Haltung, seiner Bescheidenheit und seiner gelebten Dienstbereitschaft beeindruckt" habe.

Aber darf sich ein Erzbischof einfach über Kirchengesetze hinwegsetzen und einen Homosexuellen, der laut allgemeiner Lehrmeinung nicht nur eine "objektiv ungeordnete" sexuelle Neigung verspürt, sondern auch "in Sünde lebt", rehabilitieren? Er darf. Zumindest wenn es nach dem Innsbrucker Kirchenrechtler Konrad Breitsching geht. "Wenn das Urteil im Sinne einer höheren Gerechtigkeit ist, kann man das machen", betonte er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Schließlich sei es nicht möglich, im Kirchenrecht jeden Einzelfall normativ zu berücksichtigen. Weswegen der Bischof berechtigt sei, unter Berufung auf die so genannte "Aequitas Canonica" vereinzelt Ausnahmen von der Regel zuzulassen.

Plattform begrüßt Verzicht


Den Fall rund um Florian Stangl bezeichnete Breitsching hingegen als "Grenzfall" - und ortet mehrere Schwierigkeiten. "Für Pfarrgemeinderäte bedarf es schon einer Lebensführung, die mit der Glaubenslehre übereinstimmt, weil ich mich ja sonst unglaubwürdig mache", meinte der Experte. Geht es nach ihm, hätte man diese Frage besser schon vor der Kandidatur klären sollen. Und was die Abberufung von Pfarrer Swierzek betrifft, sagte Breitsching: "Er muss jetzt dem Bischof plausibel erklären, warum die seelsorgerische Arbeit nicht weitergeführt werden kann. Eine Möglichkeit ist, wenn die Zusammenarbeit im Pfarrgemeinderat nicht gegeben ist."

Die Gläubigen in Stützenhofen wiederum sind über den erbetenen Abgang ihres Pfarrers geteilter Meinung. Positiv über diesen Schritt äußerten sich am Dienstag die Aktivisten der Plattform "Wir sind Kirche". "Wer das Kirchenrecht über den Menschen stellt, der tut gut daran, wenn er geht", sagte ihr Sprecher Hans Herbert Hurka und bezeichnete Swierzek - in Anspielung auf die "Pfarrer-Initiative" von Helmut Schüller - als "ungehorsamen" Priester, für den die Meinung des Chefs, Kardinal Christoph Schönborn, offensichtlich doch nicht gelte.