Tokio. Das energiehungrige Japan muss ab Anfang Mai ohne Atomstrom auskommen. Ab 6. Mai werde "vorübergehend" keiner der 54 japanischen Atomreaktoren mehr am Netz sein, sagte Industrieminister Yukio Edano am Sonntagabend.

Japan hat vor der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 rund 30 Prozent seines Strombedarfs durch Kernenergie gedeckt. Nach dem Super-GAU wurde aber ein Reaktor nach dem anderen zu Überprüfungszwecken oder für die intervallmäßig vorgeschriebenen Wartungsarbeiten heruntergefahren. Mit Blick auf die zunehmend atomskeptische Bevölkerung verweigern die Lokalbehörden aber bisher ihre für die Wiederinbetriebnahme notwendige Zustimmung. Edano hatte etwa am Freitag angekündigt, dass die Regierung in einigen Wochen zwei Atommeiler in Oi, nördlich von Osaka, wieder in Betrieb nehmen wolle. Der Gouverneur von Fukui ging allerdings bisher nicht auf den Aufruf des Industrieministers ein. Die Ausfälle kompensiert Japan bis jetzt mit massiv gestiegenen Flüssiggas- und Erdölimporten.