"Papst Benedikt ist kein Mann, der mit dem Holzhammer operiert, aber in seinem Kirchenbild ist Gehorsam wichtig", rundete Kurien-Kenner Steinschulte das Bild ab. "Österreich liegt dem Papst am Herzen." Benedikts Ausführungen zur Pfarrerinitiative seien aber wohl als "höfliche rhetorische Frage" gemeint gewesen. Initiativen wie jene der österreichischen Pfarrer um Schüller hätten aber eine gewisse "Sprengkraft" für die katholische Kirche, glaubt Steinschulte. Und: "Ich bin nicht sicher, ob diese Sprengkraft überall im Vatikan bekannt ist."

Demnächst drei Bischofsernennungen in Österreich
Ob sich die Probleme der katholischen Kirche Österreichs in Rom auf die kommenden Bischofsernennungen - in Feldkirch, Salzburg und Graz stehen demnächst Bestellungen neuer Oberhirten an - auswirken werden? "Der Papst hat sicher konkrete Vorstellungen in Glaubens- und Liturgiefragen. Fragen der Kurie oder Personalentscheidungen sind ihm nicht so wichtig", so Steinschulte. "Wir leben immer gefährlich", erklärte Kapellari dazu. Er wünsche sich Bischöfe, die eine gewisse Praxis mitbringen, nicht polarisieren, es sich aber auch nicht in der "bequemen Mitte" gemütlich machen. Auf die Breite der Kirche will Kapellari nicht verzichten.

Briefliche Zurechtweisung
Eine andere Art von Ungehorsam verfolgte den Grazer Bischof übrigens bis nach Rom. Bei Tramezzino und kleinem Bier verfasste er mit Mitarbeitern eine Aussendung, in welcher der südsteirische Pfarrer Karl Tropper, der zuletzt mit Aussagen zu Islam und Homosexualität für Aufruhr gesorgt hatte, indirekt und allgemein zurechtgewiesen wurde. In einem persönlichen Brief an Tropper wurde Kapellari dann konkreter. Er warf dem Pfarrer "Altersstarrsinns" vor und kündigte für den Wiederholungsfall "kirchenrechtliche Konsequenzen" an, wie der Bischof gegenüber mitreisenden Journalisten berichtete.