Eigentlich hätte es bei dem dreitägigen Artenschutz-Symposion, das heute, Freitag, in Wien endet, um die Zukunft des bedrohten Großwilds in Afrika gehen sollen. Im Vordergrund stand in den vergangenen Tagen allerdings ein kurioser Streit rund um die Einladungspolitik der Tagungsveranstalter von Tierschutzministerium und EU-Kommission.

Demnach sollen mehrere Tierschutzorganisationen, darunter "Vier Pfoten" und "Pro Wildlife", aufgrund ihrer Ablehnung einer von EU und Ministerium befürworteten "Kommerzialisierung der Trophäenjagd" nicht zu dem Symposion eingeladen worden sein. Offiziell wurde die Nicht-Einladung der beiden genannten Vereine mit der beschränkten Teilnehmerzahl begründet - was auch die betroffenen Chefs von "Vier Pfoten" und "Pro Wildlife", Peter Pietsch und Daniela Freyer, während eines Pressetermins am Mittwoch noch lauthals beklagt hatten.

Verwundert und erstaunt zeigten sich folglich die übrigen Tagungsteilnehmer, als die beiden "Ausgeladenen" dann doch bei der Veranstaltung öffentlich auftraten und auch sprachen. "Es waren beide anwesend und sie haben recht kontrovers mitdiskutiert", erklärte der Wiener Universitätsprofessor Walter Sauer der "Wiener Zeitung". Auch dass die NGOs bei der Veranstaltung unterrepräsentiert waren, will er nicht bestätigen. Tatsächlich seien "wahnsinnig viele NGOs" dabei gewesen, betonte er.

"Jäger sollen bezahlen"

Den Vorwurf der Tierschützer, wonach es bei der Tagung eine "vorherrschende Meinung für die Trophäenjagd in Afrika" gegeben habe, wies Sauer zurück. "Es gibt da unten nun einmal Konflikte zwischen Wildtieren und Dorfmenschen. Uns ist es darum gegangen, zu prüfen, ob und wie die örtliche Bevölkerung in eine Lösung einbezogen und die Armut vermindert werden könnte." An der Idee, dem Problem durch Jagdlizenzen an ausländische Jäger Herr zu werden, findet der Uni-Professor selbst nichts Anstößiges. "Wenn es zu viele Tiere gibt, dann muss man etwas machen." Nachsatz: "Und dafür sollen die Jäger ruhig bezahlen."

Die "ausgeladenen" Tierschützer wiederum führten ihre unerwartete Teilnahme auf eine glückliche Fügung zurück: Demnach habe man über den internationalen Dachverband "Survival Network" doch noch Plätze für die Vertreter von "Vier Pfoten" und "Pro Wildlife" organisieren können. "Das ist uns aber erst gelungen, als die ganze Sache schon aufgekocht war", klärte "Survival Network"-Geschäftsführer Nicolas Entrup am Donnerstag auf.

An seiner Kritik an der Einladungspolitik der Veranstalter hält er allerdings fest: "Das Symposion war trotzdem tendenziös, außerdem waren wir lediglich Zuhörer. Ich hoffe nur, dass bei der ganzen Sache nichts rauskommt."